Harder Than Steel II

In 2014 als Manilla Road Festival gestartet fand am 01. Oktober in der Sporthalle Dittigheim die zweite Ausgabe des Harder Than Steel Festivals statt. Angesichts der Besucherzahl lässt sich sagen, dass sich der kleine Bruder des Keep It True wohl schon etabliert hat. Genau wie beim wenige Kilometer entfernt stattfindenden Familientreffen der Old School-Gemeinde ist es dem Veranstalterteam auch hier  gelungen eine tolle Mischung aus alten und jungen Bands zusammenzustellen, die alle dem wahren Heavy Metal frönen.

Aufgrund der verspäteten Anreise wurden die Briten Seven Sisters leider verpasst und die Spanier Frenzy begannen ihr Set. Das schnörkelose und deutlich von der NWOBHM beeinflusste Material lockte sofort die ersten Headbanger vor die Bühne der kleinen Sporthalle, die außer 60er Jahre Langweiler-Architektur ansonsten wenig Flair versprühte. Aber das ist beim KIT ja auch nicht anders. Außer der merkwürdigen Hose von Sänger Anthony Stephen (Washed out used look Schlaghose, haben wir 2006?) blieb von dem engagierten Auftritt aber nicht viel hängen. Die dann folgenden Sacred Steel waren kurzfristig für Lethal Steel eingesprungen, die nach dem Verlust zweier Bandmitglieder einer ungewissen Zukunft entgegen gehen. Die einzige deutsche Band hatte aber das Nachsehen im Duell mit Nahrungsaufnahme und Erkundung der Umgebung. Dittigheim ist ein Stadtteil von Tauberbischofsheim und sieht genau so aus wie man sich ein verschlafenes Weindörfchen vorstellt. Auch Tauberbischofsheim an sich ist sehr zu empfehlen. Zudem scheint man sich dort bereits daran gewöhnt zu haben, dass alle paar Monate Horden von Metalfans einfallen. Vielleicht hängt der ein oder andere ja mal ein paar Tage Sightseeing und Wanderurlaub ans nächste Festival an. Lohnt sich wirklich!

Zurück in der Halle legten Dark Forest gerade letzte Hand an den Aufbau und begannen ihr Set mit Schwerpunkt auf dem superben neuen Album „Beyond The Veil“. Allerdings machte der komplett übersteuerte Sound die Sache nicht besonders angenehm und die Songs schwer erkennbar. Draußen vor der Halle klang das was die fünf britischen Naturburschen da so anstellten schon wesentlich ansprechender, auch wenn sich eine Truppe auf der anderen Straßenseite mit einer lautstarken Manowar-Party schon auf Ross The Boss vorbereitete. Vorher waren allerdings noch Steelover an der Reihe. Die Belgier um den Ex-Scorpions Drummer Rudy Lenners begeisterten mit unbändiger Spielfreude und verbreiteten ordentlich Partystimmung und gute Laune. Davon profitieren auch Tokyo Blade, die wenn man ehrlich ist, nur ihren Keep It True-Gig vom April diesen Jahres wiederholten. Den Fans reichte das aber offensichtlich.

„Bridge Of Death“, „Revelation“, „Hatred“, „Dark Avenger“, „Blood Of The Kings“ – Muss man noch mehr schreiben? Eigentlich nicht, denn auch der dritte Deutschland-Auftritt von Ross The Boss und seiner Band wird zum absoluten Triumphzug. Wenn man in einer Manowar-Setlist nur „Guyana (Cult Of The Dead)“ und „Mountains“ vermisst, dann hat da jemand etwas sehr richtig gemacht und den Fans die Wünsche von den Augen abgelesen. Über zwei Stunden lang gab es Manowar-Klassiker auf die Ohren, die von Mike Cotoia so verdammt gut interpretiert wurden, dass man dachte der junge Eric Adams steht auf der Bühne. Der Junge sieht zwar immer noch aus als würde ihn Joey deMaio höchstpersönlich aus der Halle werfen, singt aber absolut perfekt und reift langsam auch zu einem guten Frontmann. Die lange Spielzeit zeigte aber auch, dass selbst im „truesten Teil der Szene“ nicht jeder genug Stehvermögen (oder eine zu kurze Aufmerksamkeitsspanne) hat um das komplette Konzert zu genießen.

Das Harder Than Steel ist ein angenehm familiäres Festival mit einem erlesenem Billing und vielen bekannten Gesichtern im Publikum – der kleine Bruder des Keep It True halt. Meine Empfehlung: Zu empfehlen!

Über Padre 62 Artikel
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