Festivalbericht – Wacken World Wide 29.07 - 01.08.2020 - Magenta Musik 360 und Wacken Homepage

Wacken World Wide

Die Coronakrise macht auch vor den Big Playern nicht Halt. Deswegen musst auch das Wacken Open Air in seiner 31. Auflage abgesagt werden. Aber Moment. Ansage statt Absage. Wacken wird dieses Jahr erstmals, und hoffentlich auch zum einzigen Mal, unter dem Namen Wacken World Wide, komplett Digital ausgetragen. Rain or shine or online.

In diesem Jahr ist halt alles etwas anders. Zum Beispiel auch, dass ihr hier nicht wie gewohnt das Wacken Review des geschätzten Kollegen Erle lest. Dieser nutzt diesen doch sehr seltsamen Sommer etwas sinnvoller als ich und hat seine Leidenschaft für Radtouren entdeckt. Deshalb müsst ihr dieses Jahr ausnahmsweise mit mir (Inquisitor) vorlieb nehmen.

Ich bin zugegebenermaßen nicht der größte Wacken Fan. Was unter anderem daran liegt, dass es für mich mittlerweile einen zu großen Anstieg an Ballermann Touristen und generell Leuten gibt, die sich für die Musik mal so gar nicht interessieren. Zudem hat das Festival auf mich in den letzten Jahren nach 2011, als ich das letzte mal selber dort war, eher den Charakter einer Kirmes angenommen. Das nur mal kurz am Rande erwähnt. Aber durch die Online Auflage fällt dies ja nun alles weg, sodass wir uns voll und ganz auf die Musik konzentrieren können.

Wacken World Wide

Mittwoch

Wie gewohnt eröffnet man am Mittwoch das Festival. Kleiner Disclaimer zu Beginn. Keines der heute gezeigten Konzerte ist wirklich Live, sondern im Vorfeld exklusiv für das Wacken World Wide aufgezeichnet worden. Auch werden teilweise nicht die kompletten Konzerte sondern nur Auszüge gezeigt. Wer die kompletten Shows nochmal sehen möchte kann dies über Magenta TV oder Magenta Musik 360 kostenlos tun. Allerdings habe ich auch schon gesehen, dass einige der Konzerte auf Youtube hochgeladen wurden. In diesem Review werde ich auch nur auf Die Dinge eingehen die unmittelbar im Stream zu sehen waren.

Zu Beginn begrüßt uns Markus Kavka, den einige vielleicht noch von seiner Zeit bei MTV und der von ihm moderierten Show Rock Zone kennen. Das ist auch ein kluger Schritt, denn Kavka ist ein professioneller Moderator, der gut durch das Programm führen kann. Das klappt besser als bei anderen Online Festivals: einfach Musiker zu nehmen, die dann oft etwas hilflos wirken.

Bevor wir zum ersten richtigen Konzert kommen sehen wir aber kurz noch einen kleinen Einspieler, der sich um das Wacken Metal Battle und einige ehemalige Teilnehmer dreht, die kurze Proberaum-Gigs aufgenommen haben. Interessant wird es dann aber, als wir den Proberaum Gig von Damnation Defaced präsentiert bekommen. Leider werden es nur drei Songs sein, die wir hier hören nämlich “Between Innocence And Omnivores”, “Race For The Grail” und das Entombed Cover “Wolverine Blues”. Anschließend ist das Ganze schon wieder vorbei.

Nach einem Kurzen Interview mit Holger Hübner und Thomas Jensen, den Gründern des W:O:A, wechseln wir rüber nach Amerika ins legendäre Whisky A Go Go in L.A. wo Motor Sister, die Band von Anthrax Gitarrist Scott Ian und seiner Frau, einen Hardrock Set runter spielen. Zugegeben, die Musik selber finde ich jetzt nicht wirklich interessant aber das ist wie immer Geschmackssache. Dennoch sind Songs wie “A Hole”, mit dem man eröffnet oder auch “This Song Reminds Me Of You” grundsolider erdiger Hardrock. Scott Ian wirkt mit seiner gesamten Mimik ein wenig wie ein Kind, das gerade ein Ü-Ei bekommen hat. Er hat also sichtlich Spaß an der Sache.

Rage From The Cave. So betitelt die inzwischen zum Quartett angewachsene Band aus Herne ihren Stream aus der Balver Höhle. Einige kennen diese Location vielleicht als Austragungsort des Prophecy Fest. Frontmann Peavy Wagner, der auch als Präparator tätig ist, hat mal eben ein paar Knochen und Schädel aus seiner privaten Sammlung auf der Bühne drapiert. Das ergibt ein stimmungsvolles, morbides Bild. Zudem ist das Ganze heute auch der erste Auftritt in der neuen Vierer Besetzung.

Mit “True” und “Chasing The Twilightzone” steigt man in den Set ein. Peavy trägt Shoulder Pads aus Knochen, Leder und Nieten und sieht auch wegen seiner Statur dadurch ein wenig aus, wie ein Mitglied des legendären Tag Teams Legion Of Doom. Beim Titelsong zum Bully Herbig Film “Der Schuh des Manitu” “Straight To Hell” kommen dann auch mal die ersten Pyros des Tages zu Einsatz. Mit den Klassikern “Down”, “Don´t Fear The Winter” und “Higher Than The Sky” ist dann nach ca. einer Stunde Schicht in der Höhle.

Scott Ian die Zweite. Da die Kontaktverbote in den USA noch Bestand haben und das Land allgemein von Corona hart getroffen wurde spielen die Jungs von Anthrax tatsächlich ein Heimkonzert. Jeder ist von seinem Zuhause aus via Livestream zugeschaltet. Sänger Joey Belladonna steht vor einer riesigen Verstärkerwand, und auf dem Fernseher von Scott Ian läuft im Hintergrund tatsächlich ihr eigener Wacken Gig von 2018 über, jetzt kommt´s, ZDF Kultur. WTF!!!!

Mit “Time” und “Madhouse” wird eröffnet. Alle Bandmitglieder haben das gleiche – I´m The #1 Guy In This Group” Shirt an. Außer Scott, dessen Shirt laut Einblendung nicht mehr rechtzeitig geliefert wurde und Joey, der einfach mal eigenmächtig den Dresscode ignoriert. Bei ” I Am The Law” wird dann noch ein Shader über den Stream gelegt, was das Bild ein wenig im Comic Look erscheinen lässt. Tja man muss sich halt was einfallen lassen. Nach 20 Minuten ist dann aber auch hier bereits das Ende erreicht.

Wir bleiben in den USA. Bodycount feat. Ice T sind eine der einflussreichsten Rap Metal Bands der Welt. Auch sie streamen aus dem Whisky A Go Go in Los Angeles. Und das zum allerersten Mal in ihrere Karriere. Laut Ice T liegt das wohl daran, dass sowohl Body Count als auch Suicidal Tendencies  lange Zeit aus Hollywood “verbannt” waren. Dass ihr erster Auftritt in diesem legendären Club allerdings ohne echtes Publikum auskommen muss hätten sich die Jungs wohl auch anders gewünscht.

Trotzdem eröffnet man mit Slayer`s “Raining Blood”. Dieser Song ist wichtig für die Band, weil man einst aus der Idee die Härte des Thrash Metals mit der street credability des Raps zu verbinden entstanden ist. Allerdings ist Ice T einfach kein guter Sänger, und so klingt das Ganze ziemlich windschief. Viel besser wird es dann als er sich auf das konzentriert, was er am besten kann, rappen. “Point The Finger”, “Bowels Of The Devil” sitzen alle super. Einzig die beiden Background-Sänger sind mit ihren Gangshouts nicht immer on point.

Gerade in diesen schwierigen Zeiten der USA, wo Rassenunruhen und offen gelebter Rassismus das Klima vergiften sind Musiker oft das Aushängeschild ganzer Bewegungen “No Lives Matter” ist einer dieser Songs, der uns klar machen sollte wer unser Feind ist. Es sind nicht die Schwarzen und auch nicht die Weißen. Nein, es sind die, die uns für ihr eigenes Kapital (und das leider mit Erfolg) gegeneinander auszuspielen versuchen. Es sind Leute wie Donald Trump, die Öl ins Feuer gießen und für die unsre Leben nicht zählen.

Zurück zur Musik. Und da gibt es offensichtlich ein Problem, denn der Stream ist abgerissen. Er wird zwar neu gestartet, aber wir hören nun die Hälfte des Songs nochmal da (Ich erinnere daran, dass die Konzerte vorab aufgezeichnet wurden) man wohl eine  kleinen Anschlussfehler gemacht hat. Mit “There Goes The Neighbourhood” oder auch “Necessary Evil” geht’s aber flüssig weiter. “Cop Killer” wird als neue Nationalhymne der Stadt L.A. angekündigt. Und mit “Black Hoodie” und ” This Is Why We Ride” wird der Set beendet.

Natürlich darf bei einem Wacken auch Doro nicht fehlen. Die sogenannte Metal Queen ist nachweislich seit 1993 auf jedem Wacken Open Air entweder als Act oder Fan dabei gewesen. Da darf sie natürlich auch bei Wacken World Wide nicht fehlen. Ihr Publikum schaut sie allerdings erstmal an, wie ein Auto. Das liegt daran, dass es Autos sind. Denn ihr Gig findet in einem Autokino in Stuttgart statt. Mit “I Rule The Ruins” wird eröffnet. Persönlich habe ich etwas Probleme mit Musik, die ihr eigenes Genre abfeiert. Das treibt mir immer ein wenig die Fremdscham ins Gesicht, weswegen ich auch gut und gerne auf Songs wie “Blood Sweat and Rock N´Roll”, “All For Metal” oder “Earth Shaker Rock” hätte verzichten können. “Love Me In Black” und “Burn It Up” machen einen Strich unter die Sache.

Eskimo Callboy sind eigentlich so gar nicht meine Band. Allerdings sorgt ihre Mischung aus Elektro und Metalcore tatsächlich für eine gewisse Frische an diesem Tag. Es ist ihre erste Show mit ihrem neuen Sänger Nico. Der hätte wahrscheinlich lieber ein paar Mädels in der ersten Reihe gehabt als diese blöden Kameras. “Hate/Love” und “Rehab” eröffnen die Show.

Der Song “VIP” hat ein Musikvideo bekommen, welches genau in dieser Location, in der nun der Stream aufgezeichnet wurde, gedreht wurde. “Best Day” wurde dagegen im Original mit Sido zusammen eingespielt. Wohlgemerkt aber noch bevor dieser sich mit Verschwöhrungs-Schwurblern wie Attila Hildmann oder Xavier Naidoo auf eine Ebene begab. Das Gute an dieser Aufzeichnung ist, dass man cuten kann. Und so reicht ein Fingerschnipsen und die Band steht in ihrer kompletten Proletenkluft auf der Bühne um ihren viral mehr als steil gegangenen Hype Song “Hyper Hyper” zu zocken. Danach wird die Show mit den Worten “This is Nico our new Singer” beendet.

Da es leider mitten in der Woche und schon kurz vor Elf ist, ist dass nun leider auch der Tagesabschluss für mich. Immerhin muss ich am nächsten Tag bereits um 04:00 Uhr aufstehen, um meinem normalen Broterwerb nachzugehen. Damit verpasse ich leider auch die Show der Instrumental-Band Long Distance Calling. Kannste halt nüscht machen.

Donnerstag

Heute wäre der erste Tag, an dem auf dem Wacken Open Air auch auf den Hauptbühnen gespielt werden würde. Darum gibt es an diesem Donnerstag auch bei Wacken World Wide die ersten richtigen Live-Konzerte auf der Mixed Reality XR Stage. Wie das Ganze funktioniert? Darauf komme ich später im Text nochmal zu sprechen. Auch wird uns mit Jenny Augusta, die mir völlig unbekannt ist, eine zweite Moderatorin vorgestellt, welche gemeinsam mit Markus Kavka weiter durchs Programm führt.

Den Anfang machen heute Masticator aus Hamburg. Sie thrashen mit einem Tarnnetz als Bühnendeko ein paar Songs runter. Allerdings werden uns hier auch nur drei präsentiert und dann ist auch schon wieder Schluss.

Mehr gibt es bei den ebenfalls aus Hamburg kommenden, eher am Punk orientierten, Deine Cousine. Sie spielen ihr Konzert tatsächlich auf einer Barkasse, mit der sie eine Hafenrundfahrt machen. Frontdame Ina Bredehorn ist einigen vielleicht auch von Udo Lindenberg`s Panik Orchester bekannt. Man muss sagen, das hört man in Songs wie “Küss Mich”, “Unkaputtbar” auch deutlich raus. Im Stück “Runaway Girl” gibt’s dann auch eine musikalische Anspielung an Journey`s “Don`t Stop Believing”. Und nachdem man mit “St. Pauli” noch eben einen ganzen Stadtteil besungen hat legt der Kudder auch schon wieder an. Die fahren halt die großen Pötte.

Critical Mess streamen aus ihrem Proberaum. Aber auch hier bekommen wir leider nur zwei Songs geboten. Bei “Revolution 5” kommt dafür wieder das CB Funkgerät als Stimmenverzerrer zum Einsatz. Und nach “Man Made Machine Made Man” ist auch hier die kritische Masse erreicht und Schicht im Schacht.

Foreigner haben tatsächlich schon einmal auf dem Wacken gespielt. Ihre Musik war mir bis dato aber eher von NDR2, als von Metal Festivals bekannt. Mit “Hot Blooded” spielt man einen ihrer bekanntesten Hits aus der Quarantäne, bevor man zu einer Archivaufnahme aus dem Jahr 2015 wechselt, bei dem die Band in einem Theater spielte. Aus diesem Konzert sehen wir nun die Songs “Urgent” und “Juke Box Hero”.

Mit Archivaufnahmen geht es auch weiter. Dieses Mal aber vom Wacken selber. Der Gig von Alice Cooper aus dem Jahr 2013 wird uns nun präsentiert. Zuvor gibt es beim Wacken World Wide aber tatsächlich eine Quarantäne Version von “Schools Out”, in der auch der Splitscreen aller Musiker in typischer Cooper Manier mit Blut und Schleim gestaltet ist. Selbst hier bleibt Vincent Damon Furnier komplett in seinem Alice Cooper Charakter. Und das auch, wenn der zweite Song “Don´t Give Up”, der übrigens brandneu ist, eher untypisch positiv ist.

Danach besteigen wir aber wirklich den DeLorean und befinden uns auf dem 2013 W:O:A. Seinen Set eröffnete Alice Cooper damals mit “Welcome 2 My Nightmare”. Bei “Feed My Frankenstein” lies er sich selber in besagtes Monster umwandeln, was dafür sorgte, dass der Strom auf der Bühne kurze Zeit ausfiel (gehörte natürlich zur Show) und wir nur das leise unverstärkte Schlagzeug hören konnten. Bei “Killer” ließ er sich mal wieder den Kopf mit der Guillotine abschlagen, bevor es tatsächlich zu einem Cover Part in seiner Show kam.

Hier machte er kurz einen Abstecher in das Programm der Hollywood Vampires (seiner Coverband mit unter anderem Jonny Depp  an der Gitarre) und spielte Tribut-Songs wie “Break On Through (To The Over Side)” von The Doors, “Revolution” von den Beatles , “Foxy Lady” von Jimi Hendrix und”My Generation” von The Who. Dabei erschienen auch Grabsteine mit den Namen der verstorbenen Musiker Jim Morrison, John Lenon, Jimi Hendrix und Keith Moon im Hintergrund. Mit “Eighteen and Alive” und “Schools Out” endete dieser Gig damals.

Ebenfalls aus dem Archiv ist der nun folgende In Flames Gig. Das Ganze überfliege ich jetzt einfach mal. Eröffnet wurde, zumindest bei dieser Schnittfassung, mit “Only For The Weak”, was auch leider der älteste Song der gesamten Show bleiben sollte. “Reroute To Remain” und “Daylight And Angers” Schließen sich an. Bei “Fear Is The Weakness” gibt’s erstmal ordentlich Pyro Geballer auf und über der Bühne und mit “Take This Life” ist dann Schluss.

Zurück in der Gegenwart. Heaven Shall Burn dürfen als Erste die Mixed Reallity XR Schieß-mich-tot Bühne benutzen. Kurz erklärt was das Ganze ist. Die Band steht auf einer 8 Quadratmeter großen Bühne vor einer 10m hohen LED Wand. Dazu kommen etliche Kameras. Das Studio in dem sich hier alles befindet ist quasi ein einziger Greenscreen. So kann hier eine komplette virtuelle Welt erschaffen werden, in der dann einzig und allein die Band real ist und tatsächlich live spielt.

So wird natürlich die berühmte Twin-Stage des Wacken Open Air virtuell aufgebaut. Das Publikum wird beim Wacken World Wide durch Lichtpunkte ersetzt, die sich in Wellenformen bewegen und sogar Circle Pits (oder sind es Bits) starten können. Dazu gibt es im Hintergrund sogar einen Campground und headbangende Kühe. Das kleine Dorf Wacken ist im Hintergrund der Bühnen zu einer riesigen futuristischen und zugegeben auch leicht dystopisch wirkenden Stadt angewachsen, deren Zentrum ein riesiger Pommesgabel-Turm ist. Soweit alles klar? Gut dann ab zu Musik

Heaven Shall Burn, oder wie Petro Lombardi sagen würde, “irgend so ne Rockergruppe aus dem Nichts” eröffnen ihren Set mit “Endzeit”. Ein paar Panzersperren stehen noch mit ihnen am Bühnenrand. Die sind auch real und nicht animiert. Das ganze Setting wirkt zwar nicht ansatzweise real aber dennoch hat es etwas Faszinierendes (könnte auch aus der Adult Swim Serie “Metalocalypse” stammen). Und es bietet tatsächlich mal etwas Anderes als die ewigen Proberaum-Konzerte. Die Pyros auf der Bühne sind übrigens echt. Die Flammenwerfer am Bühnenrand sind virtuell.

Mit “Voice Of The Voiceless” geht’s weiter im Text. Der Song “Protector” wird heute übrigens zum ersten mal live gespielt. Die Band behandelt das virtuelle Publikum, dass sie selber nur über einen kleinen Bildschirm sehen können, als wäre es tatsächlich anwesend. Insgeheim müssen sie sich aber trotzdem wohl ein wenig blöd vorkommen. Beim Song “Hunters Will Be Hunted” sehen wir dann Aufnahmen des verzweifelten Kampfes von Sea Shapperd gegen Walfänger Schiffe. Abgeschlossen wird dieser etwas andre Gig mit dem 94er Edge of Sanity Klassiker “Black Tears”.

In Extremo sind heute die letzte Band die ich mir anschaue, da ich auch am nächsten Tag leider wieder früh raus muss. Auch sie spielen live auf der XR Stage. Ihr letzter Live Auftritt war am am zweiten November 2019. Der ist also schon ne ganze weile her. Einstieg mit “Mein Rasend Herz” und “Feuertaufe”. Auch hier gibt es wie beim Konzert davor auch Kamerafahrten über das Infield bis in die gigantische virtuelle Stadt hinein. Es wirkt wie in einem Videospiel, aber dennoch macht es Spaß. “Kompass zur Sonne” ist der Titeltrack ihres aktuellen Albums  und auch “Troja” ist ein komplett neues Stück.

“Frei Zu Sein” ist übrigens ein persönlicher Songwunsch vom Mitveranstalter Holger Hübner. Und auch “Vollmond” schafft es in die Setlist. Diese besteht heute tatsächlich fast nur aus Klassikern, wie auch die “Merseburger Zaubersprüche” oder “Liam” zeigen. Noch ein paar Trinklieder wie “Moonshiner” und “Sternhagelvoll” zum Abschluss und dann mit “Pikse Palve” den Set beenden. Alles klar. Gute Nacht und bis Morgen.

Freitag

Musikalisch geht es heute mit Verderver aus Cottbus los. All diese Bands, die die jeweiligen Tage eröffnen, werden von der Wacken Foundation unterstützt. Die Band wird von Markus Kavka als Death Metal angekündigt, klingt dann aber doch mehr nach Industrial. Das liegt nicht zuletzt daran liegt, dass es keinen echten Schlagzeuger gibt, sondern die komplett schwarz-weiß geschminkten Gestalten bei Songs wie “Vakuum”, oder ihrer ersten Single “Gebrauchswert” auf einen Drumcomputer setzen. Wirklich brauchen tue ich die Band nicht. Und auch der Stream wird entgegen der Running Order schon nach 3 Songs abgebrochen. Dafür gehen wir nun in den Proberaum der schwedischen All Girl Band Thundermother und bekommen noch mal ordentlichen Hardrock zu hören. Aber auch hier reicht es nur für wenige Songs, wie etwa “Whatever” oder “Racing On Mainstreet” bevor auch hier der Stream ausklingt.

Als nächstes ist John 5 dran. Der Typ ist mir zwar vollkommen unbekannt, aber er scheint einer der größten Kiss Fans zu sein, den die Welt je hervorgebracht hat. Der hat einfach alles. Original Bühnenoutfits aus den 70ern. Flipperautomaten aus den USA und aus Deutschland (Zu erkennen am  SS, das in Deutschland nicht in der bekannten Blitzform geschrieben wird, weil unsere idiotischen Zensurbehörden dahinter eine Nazi Insignie sehen) und Kinderspielzeug. Alles hat er da. Für mich ist aber gerade die Zeit gekommen, dass ich mich auf den Weg in meinen Dojo machen muss um zu trainieren, weshalb wir jetzt einen kurzen Zeitsprung machen.

Dieser Zeitsprung ist so groß, dass wir nun wieder im Jahr 2016 angekommen sind und uns gerade eine Aufzeichnung des Iron Maiden Gigs vom Wacken ansehen. Als ich einsteige spielen sie gerade “Hallowed Be Thy Name” und fahren mit “Fear Of The Dark” fort. Das Setting im Jahre 2016 war angelehnt an die alten Maya Städte, da es sich hier um die “The Bock Of Souls” Tour handelte. Mit “Bloodbrothers” und “Wasted Years” wurde diese Show damals beendet.

Kommen wir zurück in die Gegenwart und damit auch wieder auf die XR Stage mit ihren vielen virtuellen Spielereien. Beyond The Black sind derzeit Deutschlands erfolgreichste Symphonic Metal Band. Dennoch hatte ich ein wenig Vorbehalte gegenüber einer Band, deren Album auf Pro Sieben beworben wird. Fan werde ich nicht mehr, aber immerhin sind Songs wie der eröffnende Titeltrack jenes genannten Albums “Horizons” ganz solide. Auch “Wounded Healer” frisst sich eingängig ins Gehirn. Bei “Human” schafft es Frontdame Jennifer Haben in Rekordzeit ihr Kleid zu wechseln und sich beim Singen eine Maske vors Gesicht zu halten.

“Through The Mirror” wird akustisch gespielt und einige virtuelle Kerzen nehmen auf der Bühne Platz. Bei ihrem sogenannten -Hit- “Lost In Forever” kommt die gute Dame wieder in ihrem ersten Kleid auf die Bühne. Und mit “Hallelujah” setzt man den Schlusspunkt der Show. Auch wenn es nie meine Musik wird, es war unterhaltsam und die Band hat sich mehr als nur Mühe gegeben das Beste aus dieser komischen Situation rauszuholen. Im übrigen ist die Bühne heute auch Interaktiv eingebunden. Man kann sich nun mit Hilfe eines QR Codes im Publikum abbilden lassen. Nervig sind nur die Einblendungen zahlreicher Nachrichten, die man nun auch verschicken kann und die mich so gar nicht interessieren, da ich ja eigentlich den Konzerten folgen möchte.

Auch Blind Guardian nutzen heute die XR Stage und treten somit in der weiterhin von der riesigen Stadt im Hintergrund dominierten virtuellen Welt auf. Aber das sollte für die Gaming Nerds ja wohl kein Problem sein. Ihr Intro und das dazugehörige Video stammen von ihrem Orchester Album. Ansonsten hören wir heute aber eine sehr Speed Metal lastige Show. Was auch der Opener “Into The Storm” gleich mal unterstreicht. Auch mit “Welcome To Dying” wird es kein Stück langsamer. Egal ob “Lost In The Twilight Hall” oder auch “Born In A Mourning Hall”, das Gaspedal ist festgespaxt. “Violent Shadows” ist ein neuer Song, der allerdings nicht vom Orchester Album stammt. Vielleicht ein Ausblick auf eine neue Platte??? Mit “Vallhalla”, “Majesty” und “Mirror Mirror” wird dieser sehr schnelle Set dann beendet. Tatsächlich gab es keine Balladen, nicht einmal den “Bard`s Song”, der allerdings auch nach einem Publikum verlangt.

Zeit mal wieder in Erinnerungen zu schwelgen. Volbeat  spielten 2017 tatsächlich den Headliner Slot des ersten Abends auf dem W:O:A. Aus diesem Auftritt hören wir jetzt die Stücke “Black Rose”, “Slyton/ Dead But Rising” und “Still Counting”. Man beachte auch das Detail. Die Videowände übertragen nur in Schwarz Weiß.

Zurück in die fast Gegenwart. Ross The Boss, der ex Manowar-Klampfer hat mit seiner Band einen Stream in ihrem New Yorker Proberaum aufgezeichnet. Heute gibt es auch wieder Klassiker seiner ehemaligen Band zu hören. Auf dem zugegebenermaßen beengten Raum ist nicht viel Platz für eine echte Show aber Songs wie “Kill With Power”, “Blood Of My Enemies”, “Denied By The Cross”, “Secret Of Steel”, Battle Hymn” oder das unverzichtbare ” Hail And Kill”, zu dem man auch prima ein Saufspiel machen kann, sitzen einfach.

Die Irish Folk Musiker von Fiddlers Green haben ihre Spielstätte wie einen Irish Pub designed. Trotzdem kommen die Jungs aus Erlangen. (Gibt es in Irland dann auch Bands die bayrische Blasmusik spielen?) Auch hier gibt es einen sehr kurzen Set mit Stücken wie “The Freak On Enniskillen” oder “Born To Be A Rover”. Als Rausschmeißer fungiert “A Night In Dublin”. Na dann hoch die Pints.

Ganz kurz zum Abschluss sehen wir dann noch Jesper Binzer, den Frontmann von D-A-D. Hier gibt es aber nur noch zwei Songs zu hören. Namentlich sind das “The Future Is Now” und “Premonition”. Das war’s dann auch schon wieder für heute.

Samstag

Den letzten Tag des Festivals eröffnen Budderside mit einem kurzen Stream-Mitschnitt. “Amber Alert” oder auch “Open Relationship” sind Songs, die ich jetzt irgendwo zwischen Heavy und Power Metal verorten würde. Aber auch hier ist nach drei Songs Schicht im Schacht.

Mister Misery aus Stockholm führen in ihrem Proberaum eine Horrorshow irgendwo zwischen Tribulation und Cradle Of Filth auf. Ihr Ghost in The Quarantane Stream ist aber ebenfalls nur von kurzer dauer. Wir bekommen lediglich die Songs “You And I”, “Legion” und “Tell Me How” zu hören. Die Drums sind mit LED´s beleuchtet und die Jungs sind gekleidet und geschminkt wie die bereits oben erwähnten Bands. Natürlich wirkt das Ganze ein wenig wie ein überkandidelter Teeny Horror Film, aber letztendlich soll das wohl auch das Ziel sein.

Weiter geht es mit Powerwolf und ihrer Show aus dem Jahr 2019, also dem 30. Jubiläum des W:O:A. “Amen And Attack”und “Demons Are A Girls Best Friend” eröffneten diesen Set. Bei “Stossgebet” wird erst mal die halbe Bühne angezündet und zu “Where The Wild Wolfs Have Gone” spielt Keyboarder Falk Maria Schlegel (Oh ohohoho) auf einem in Flammen stehendem Klavier, während Schnee vom Bühnendach fällt. Auch die Wiederauferstehungszeremonie  “Resurection By Erection” wird praktiziert. Mit “We Drink Your Blood” wird der Kirchgang dann beendet. Man kann ihre Musik mögen oder nicht, sehenswert sind ihre Liveshows. Auch wenn ich die Ansagen von Alpha Wolf Attila Dorn etwas arg cheesey finde.

Zurück ins Jahr 2015 und zur Headliner Show von Judas Priest. Etwas mau war das Bühnenbild zur Firepower Tour damals schon. Denn während ihre Kollegen von Maiden tatsächlich noch aufwändige Kullissen bauen ließen hatte man sich hier für schlichte LED Paneele und Leinwände entschieden. (Ich habe diese Tour selber auch auf dem Graspop gesehen und auch Live wirkte es etwas mäh). Sei’s drum. Mit “Dragonaut” und “Metal Gods” konnte man in einen guten Set starten. “Halls of Vallhalla” hatte ich bis dato noch nicht in einem Liveset gehört. Und das Abschluss Tripple “Hellion”, “Painkiller” und “Living After Midnight” setzte einen guten Schlusspunkt.

#FCK CRN (Fuck Corona) steht auf dem virtuellen Backdrop von Hämatom, die jetzt live auf der XR Stage spielen und erstmal klar stellen, dass sie nicht nur “Anti Alles” sind, sondern auch behaupten “Wir Sind Keine Band”. Dabei wird von Sänger Nord eine Flagge aus dem eigenen Merchandise Repertoire geschwenkt, an deren spitze man einen Funkenwerfer installiert hat. Neben den üblichen virtuellen Kamerafahrten und den auch heute wieder via QR Code eingeblendeten Zuschauerfotos hat sich die Band selber aber auch optisch viel Mühe gegeben.

Bassist West headbangt bei “Ich Hasse Dich Zu Lieben” mit Pyros die in seine Dreads eingebaut wurden. Auch der zur Pandemie geschriebene Song “Fuck Corona (FCK CRN)”, der auch schon die ganze Zeit als Backdrop dient, wird hier zum ersten Mal live gespielt. Auch zum Covern hat man Zeit und so spielt man den Marteria Song “Kids (2 Finger An Den Kopf)”, bevor beim Stück “Mörder” Sänger” Nord auf einem elektrischen Stuhl auf die Bühne geschoben wird.

Auf der Klampfe von Gitarrist Ost kann man BLM (Black Lives Matters) lesen. Bei “Lichterloh” fungieren die Finger der Handschuhe, die Nord trägt, als Funkenwerfer, und bei “Bleib In Der Schule”, ein stück, das man bereits im Vorjahr auf dem W:O:A mit Trailerpark gespielt hatte, trägt Ost dann eine mit Blinklichtern versehene Jacke. Zum Abschied wird noch einmal ein klares Statement zur Religion gesetzt. “Wir Sind Gott”. Damit bebenden die Jungs eine Show, bei der sie optisch auf jeden Fall einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben.

Weiter geht’s auf der XR Stage mit gutem deutschen Thrash Metal. Kreator geben sich die Ehre. Als Intro läuft “The Patriach” welches dann nahtlos in “Violent Revolution” übergeht. Dass mann dann schon direkt “Exreme Agression” raus haut überrascht mich etwas. Auch “Hordes Of Chaos” kommt recht früh im Set. Aber immerhin kommt mit “666 World Devided” und “Satan Is Real” ein aktueller Song davor und danach.

“Enemy Of God”, “Hail To The Hordes” und “Phantom Antichrist” reihen sich aneinander und mit “Pleasure To Kill” macht man die Sache rund. Die Mega City, die im Hintergrund der Bühne ja immer so vor sich hinsteht, passte zu Kreator tatsächlich besser, als zu jeder anderen Band, die auf dieser virtuellen Bühne gespielt hat. Und wir verabschieden uns auch nun von ihr.

Sabaton, eine der am meisten polarisierenden Bands des gesamten Metal Spektrums spielen heute den Headliner-Slot. Dafür wird sogar die Kulisse geändert und in eine europäische vom Krieg zerbombte Stadt Anfang der 40er Jahre umgestaltet. An den Mikroständern hängen Stahlhelme und natürlich wird der Set traditionell mit “Ghost Division” eröffnet. Allerdings zeigt sich hier eine Schwäche. Der Song ist doch sehr keyboard lastig. Kamen diese nach dem Bandsplit 2012 meistens noch vom Band verzichtet man heute darauf. Das erzeugt allerdings ein gewaltiges Soundloch und das Stück wirkt recht dünn.

Bei “Attack Of The Dead Men” wird virtuelles Gas auf die Bühne gepumpt und die Band spielt komplett mit Gasmasken. Sänger Joakim Broden hat dafür tatsächlich ein Mikrofon in seiner Maske, während alle anderen Musiker diese für den Background Gesang abziehen. Auch einen Flammenwerfer hält er in der Hand, setzt ihn aber leider nicht ein. Bei “Panzerkampf” fahren im Hintergrund Panzer aufeinander zu und bilden eine Frontlinie. Kurz wechselt die Band in die Zeit des 30-jährigen Krieges und trägt bei “Carulos Rex” alte schwedische Militärmäntel in Königsblau und Gold.

Nach “Primo Victoria” wollen Sänger Joakim und Gitarrist Tommy Johansson bei einem Beerdrinking Contest auslosen, wer den nächsten Song bestimmen darf. Tommy gewinnt und wünscht sich natürlich “Swedish Pagans”, was Joakim bereits befürchtet hat. (Der Running Gag, dass Joakim diesen Song hasst wird auch schon gefühlte 20 Jahre durchgezogen). Mit “Bismarck” spielt man ausgerechnet den besten Song des aktuellen Albums, der es nicht aufs Album geschafft hat, weil er thematisch im falschen Krieg spielt. Und nach “To Hell And Back” schweigen dann nach gut einer Stunde die Waffen.

Ein letzter Sprung in die Vergangenheit. Motörhead auf dem Wacken 2011. Ein Konzert, dass ich damals sogar noch Live vor Ort gesehen habe. Was mir allerdings sofort auffällt. Wacken war damals noch wesentlich dunkler. Die riesige Lichtorgel, die die Twin-Stage mittlerweile ist gab es da noch nicht. Außer der Bühnenbeleuchtung und dem Schädel war da nichts. Eröffnet wurde damals mit “Over The Top” und “One Night Stand”. Mit “Rock Out” spielte man einen Song vom damals gerade aktuellem Album “The Wörld Is Yours”. Die meisten Motörhead Songs sind Klassiker, sodass ich hier auch nicht auf alles eingehen kann. Spektakuläres Finale war mit Sicherheit der riesige aus der Licht-Traverse herausfahrende Bomber beim Stück …. äh ja “Bomber”. Abgeschlossen wurde mit “Ace Of Spades” und “Overkill”

Den Abschluss bildet der Scream Stream von Lordi. Zunächst begleiten wir Mr. Lordi durch seine finnische Heimat Rovamini, welches auch als das Weihnachtsmann-Dorf bekannt ist. Wir befinden uns also am Polarkreis. Er Zeigt uns in seinem Haus auch den alten Apple Mac PC aus den 90ern, auf dem er immer noch alle Lordi Songs schreibt. Und weil wir natürlich im skandinavischen Raum sind (Auch wenn Finnland nicht offiziell zu Skandinavien gehört) spielt hier auch wirklich jeder selbst den Weihnachtsmann himself in einer Band. Ausnahmen sind die örtliche Dildo Schnitzerin und ein Typ, der sein eigenes Festival veranstaltet.

Musikalisch werden wir auch noch kurz unterhalten. Die Band sitzt in einer kleinen Bar. Dargeboten werden “Get Heavy”, “Kalmageddon” und “Hard Rock Halleluja” Danach ist Sense.

Wacken World Wide – Das Fazit

Wacken ist vorbei. Eine seltsame aber auch interessante Ausgabe des Festivals. Ob sie nun als offiziell 31. Auflage gewertet wird oder nicht dass muss jeder für sich selber entscheiden. Na dann, auch wenn ich nicht zum Wacken fahre. See You There, Rain Or Shine und hoffentlich nicht Online.

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