Lords Of Chaos A Jonas Åkerlund Film

Das Thema der Kirchenbrände in Norwegen Anfang der 90er Jahre sowie die Morde im Inner Circle der Bands Mayhem und Burzum sind hinlänglich bekannt und müssen nicht weiter vertieft werden. Der Film “Lords Of Chaos” des Schweden Jonas Åkerlund gibt nun ein paar Eindrücke des Ganzen wieder. Wie akkurat die Recherche des Materials war, kann ich nicht sagen, da viele der Geschehnisse schon damals überspitzt wurden.

“Wahrheit und Unwahrheit”

Genau aus diesem Grund beginnt der Film auch mit dem Satz “Die Ereignisse beruhen auf der Wahrheit und Unwahrheit”. Zunächst wird man von einer Off-Stimme, die sich als Euronymous (Øystein Aarseth), dem Gründer der Band Mayhem und – zumindest wird es im Film so erwähnt – Erfinder des Trve Norwegean Black Metal, vorstellt. Man sieht ihn mit seinen zwei Kumpels Necrobutcher (Jørn Stubberud) und Manheim (Kjetil Manheim) im elterlichen Keller die ersten Proben mit der ursprünglichen Mayhem-Besetzung absolvieren. Der Film springt aber recht schnell in die Zeitlinie als Hellhammer (Jan Axel Blomberg) den Posten am Schlagzeug übernimmt und Dead (Per Yngve Ohlin) als Sänger einsteigt.

In diesem Abschnitt hat der Film auch seine heftigsten Szenen. Nach dem auf Deads seltsames Verhalten, unter anderem das Töten von Katzen und das Riechen an Tierkadavern sowie seine tief sitzende Depression eingegangen wird, kommt man auch relativ schnell zur ersten Konzertszene der Band. Dead, der Tage vor dem Konzert seine Kleidung vergraben hatte, damit sie verrottet und er somit mehr wie eine Leiche auf der Bühne wirkt, schlitzt sich während des Gigs die Arme mit einem Messer auf. Bereits diese Szene ist nichts für zartbesaitete Menschen, da man hier sehr genau das Eindringen der Klinge in das Fleisch darstellt.

Als wäre das nicht schon verstörend genug, bespritzt er die ersten Reihen des Publikums zusätzlich mit seinem Blut. Das Ganze wird in Schwarz-weiß-Camcorderoptik von einem anwesenden Fan gefilmt. Kurz nach dem Konzert sieht man die Band in einer Dönerbude essen und Deads nur mit Gaffer Tape stümperhaft verbundene Unterarme. Hier tritt auch zum ersten Mal Kristian Vikernes, der im späteren Verlauf bekanntlich seinen Namen in Varg ändern wird, auf. Er wirkt hier anfänglich noch als verschüchterter, etwas tollpatschiger Fanboy der Band, die ihn aber nicht ganz ernst nimmt, was aufgrund einiger Patches und seinem damit verbunden Musikgeschmack erklärt wird.

“Entschuldigt all das Blut”

Nachdem der Film noch ein wenig auf die persönliche Bande zwischen Euronymous und Dead eingeht, folgt dann auch eine der drastischsten Sequenzen des Films. Deads Selbstmord. Auch dieser wird erschreckend detailliert gezeigt. Ähnlich wie in der Konzertszene sieht man, wie er sich erst beide Pulsadern öffnet, um sich anschließend auch die Kehle aufzuschlitzen. Schwer röcheln und blutend schreibt er seine berühmten letzten Worte auf ein Stück Papier ” Entschuldigt all das Blut”, bevor er sich dann mit einem Gewehr in den Kopf schießt. Die Szene, wie Euronymous die Leiche seines Sängers im Proberaum findet, wird im Film immer wieder als Flashback Sequenz mit Verhaltensänderung seitens Euronymous, der in einer Szene knallhart ein Stück des Gehirns probiert, in einer späteren Szene dann aber katatonisch und mit Tränen im Gesicht vor dem Leichnam steht, aufgegriffen, so dass am Ende die Frage im Raum steht, welche dieser Reaktionen nun wirklich authentisch ist.

Nach einem weiteren Zeitsprung sehen wir zum ersten Mal das Helvete, der Plattenladen, den Euronymous in Oslo eröffnete und in dessen Kellern er sich eine Gruft eingerichtet hat, die nur seinem persönlichen “Schwarzen Zirkel” als Versammlungsort zur Verfügung steht. Hier taucht auch Kristian, der sich jetzt auch in Varg umbenannt hat, wieder auf und seinen kompletten Look nun extrem geändert hat. Ein Running Gag des Filmes ist der, dass sich eigentlich jeden Tag ein Mitglied der Band Mayhem den Horror-Klassiker “Brain Dead” reinzieht und somit auch eine gewisse Komik im Film etabliert.

Viele kleinere Handlungsstränge

Der Film geht nun auch noch auf zahlreiche kleinere Handlungsstränge ein bis dann die alles entscheidenden Kirchenbrände thematisiert werden. Diese werden im Film zwar von Euronymous angekündigt, aber letztendlich von Varg ausgeführt, und hier treffen wir auf einen der Punkte, der heute nicht mehr nachvollzogen werden kann, da es unterschiedliche Versionen zum Thema gibt, wer denn letztendlich die Brandstiftungen begannen hat. Auch der Mord an einem Homosexuellen, der von einem Mitglied der Band durchgeführt wird, kommt in der Handlung vor und wird – zwar nicht so grausam wie der Selbstmord von Dead – extrem dargestellt.

Den Kirchenbränden wird auch sehr viel Zeit im Film gewidmet und auch die misslungenen Interviews von Varg, die letztendlich zu seiner Verhaftung führen, tragen einen wichtigen, wenn auch kurzen Teil der Geschichte bei. Aber genau hier wird Varg, der Im Verlauf der Brandstiftungen eine große Charakterentwicklung durchmachte wieder arg trottelig und naiv dargestellt. Bizarr wird es an der Stelle als der Ochsenknecht-Sprössling Wilson Gonzales im Bandumfeld auftaucht. Nachdem Varg wieder auf freien Fuß gesetzt wurde und die Band Mayhem verlassen hat, ist er es auch, der Varg über das vermeintliche Vorhaben Euronymous, ihn zu töten, informiert. Dabei wird aber auch er selber als eher unterbelichteter Charakter dargestellt. Letztendlich endet die Geschichte mit dem bekannten Mord Vargs an Euronymous und einer kurzen Sequenz, in dem der Ermordete zu uns aus dem Off spricht (Kennt man aus American Beauty).

Ein authentisches Zeugnis? Fraglich!

Ob der Film akkurat authentisch ist, wage ich zu bezweifeln. Die Gründe hatte ich eingangs erwähnt, aber er bietet doch einen guten Einblick in die Geschehnisse Anfang der 90er Jahre und ist mit Musik von u. a. Accept, Sodom und natürlich Mayhem gut vertont. Er ist aber mit fast zwei Stunden Laufzeit auch lang und vor allem nichts für nervlich instabile Menschen. Da der Film sich ab und an auch in Nebensächlichkeiten verirrt, habe ich hier nur die wichtigsten Punkte der Hauptstory angerissen. Die Vorstellung am 22.02.2019 im Cinestar Osnabrück war zunächst eine einmalige. Eine DVD- und Netflix-Veröffentlichung wird es aber wohl noch in diesem Jahr geben.

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.