Ultra-Violence – Deflect The Flow

Released: 27. April 2014

Genre: Thrash Metal

Label: Candlelight Records

Wer Italien mit epischem Symphonic und Power Metal in Verbindung bringt, der hat mit Sicherheit eine gute Begründung dafür. Wen man allerdings die italienische Metalszene auf diese Spielart reduziert, dann handelt man grob fahrlässig. Dank ambitionierten Underground Labels werden junge Bands gefördert und verbreitet. Bei den Kollegen von Ultra-Violence hat diese Unterstützung, insbesondere das Debütalbum „Privilege To Overcome“, dafür gesorgt, dass das eigentlich auf Black und Death Metal spezialisierte Label Candlelight Records diese italienischen Thrash Youngsters unter seine Fittiche genommen hat. Wer den Erstling der vier Jungs kennt, der weiß, dass einen altbewährter Thrash in modernem Gewand mit ordentlich Wumms erwartet. Doch wie das immer so ist, hat eine junge Band, die mit einem hörenswerten Debüt auf sich aufmerksam gemacht hat, eine gewisse Erwartung zu erfüllen. Wollen wir mal schauen, wie sich die vier Turiner mit ihrer zweiten Langrille anstellen.

Der Opener „Burning Through The Scars“ startet mit einem markanten Leadriff und brettert hammerhart drauf los. Der Sound ist druckvoll und schmettert schnell aus den Boxen, allerdings hat man hier und da das Gefühl, dass die Produktion schon eine Spur zu sauber ist. Es fehlt ein wenig an Räudigkeit. Dies war allerdings auch schon beim Debüt der Fall. In dieser Hinsicht sind sich Ultra-Violence also auf jeden Fall treu geblieben. Das knapp sechs Minuten lange Stück hat auf jeden Fall alles was man von einem Thrash Song erwarten möchte: Ein markantes Riff, wilde Soli, Gangshouts und über allem die kräftigen Vocals von Fronter Loris Castiglia. Wenn man den Kerl mal gesehen hat, dann wundert man sich woher der nicht sonderlich großgewachsene Turiner diese Kraft holt. Mit einem kleinen Sample startet das Stück „Why So Serious?“, bei dem bei mir Vergleiche zu den Songs vom Debütalbum der Finnen Lost Society aufkommen. Mit kantigem Riffing wird hier dem Joker aus der „Dark Knight Trilogie“ gehuldigt. Auch dieser Titel knackt die sechs Minuten Grenze und ist stellenweise ein wenig lang geraten. Nichtsdestotrotz passiert alles auf einem hohen, technischen Niveau und so kann man mit den ausschweifenden Soli sehr gut leben. Eine ganze Stufe langsamer geht es bei „Gavel’s Bang“ zu. Cleane Gitarren bilden das Intro um in kräftiges Mid-Tempo Riffing überzugehen. Schwer und mit mächtig Groove bahnt man sich hier den Weg. Wenn man als Thrash Metal Kapelle schon auf die Bremse drückt, dann bitte so. Ein ganz starkes Stück und ein besonderer Akzent auf dem sonst sehr schnellen Album. Mit den beiden folgenden Tracks „Lost in Decay“ und „In The Name Of Your God“ geht man wieder in die eingangs eingeschlagene Richtung und rast mit hoher Geschwindigkeit davon. Zur Halbzeit wird es allerdings überraschend akustisch: In bester Lagerfeuermanier gönnt man dem Hörer mit „A Second Birth“ eine kurze Verschnaufpause und erweitert das Portfolio des Albums sogar um ein paar Streicher. Nach einer knappen Minute gibt das aber wieder ordentlich auf die Zwölf und man kann sich von diesem Schock erholen. Bei „The Checkered Sun“ sollte man dann spätestens von den wuchtigen Riffs und den verschachtelten Melodien der Italiener umgepustet worden sein. Für mich steht an dieser Stelle fest, dass das, was mit „Privilege To Overcome“ vor zwei Jahren begonnen wurde, nun noch um eine ganze Stufe verbessert wurde. So soll Old School Thrash zeitgemäß produziert klingen. Dass sich die Italiener auch vor alten Legenden verneigen, zeigt das Venom Cover „Don’t Burn The Witch“. Eine nette Geste, allerdings kommt die italienische Interpretation nicht wirklich an den räudigen, ungeschliffenen Charme des Originals heran. Beim Niveau der eigenen Stücke ist das aber mehr als zu verschmerzen. Mit „The Way I’ll Stay“ gibt es kurz vor der Zielgeraden noch einen abwechslungsreichen Song, der zum Ende mit einem kurzen Ausflug ins Mid-Tempo aufwartet. In diesem Song, zu dem auch ein Musikvideo gedreht wurde, zeigen die Jungs ihr Schaffen mehr als deutlich. Zum Abschluss gibt es mit „Fractal Dimensions“ ein letztes Mal derbe auf den Nacken und man verabschiedet sich so, wie man gekommen ist: Pfeilschnell, aggressiv und mitten ins Gesicht.

Nachdem Ultra-Violence mit „Privilege To Overcome“ schon ein starkes Debüt abgegeben haben, so hat das Quartett mit „Deflect The Flow“ noch eine Schüppe draufgelegt. Ausgeklügeltes Songwriting, technisch versiert und das Ganze garniert mit einer fetten Produktion, die jedoch an der ein oder anderen Stelle etwas klinisch wirkt. Es fehlt mir persönlich ein klein wenig an Rohheit und Räudigkeit. Wie auch beim Vorgänger wurde das Cover von Altmeister Ed Repka gezaubert und knüpft thematisch an das Konzept des Erstlings an. Die vier Droogs aus „A Clockwork Orange“ brettern mit ihrem Auto über die Straßen und hinterlassen eine Spur der Verwüstung: Sehr sinnbildlich für das ganze Album. Fans von Bay Area Thrash im Geiste von Death Angel oder Heathen sind genauso gut beraten ein Ohr zu riskieren wie Fans von brutalerem Sound im Stile von Dark Angel oder Demolition Hammer. Fazit: Starkes Teil!

Trackliste

  1. Burning Through the Scars 06:05
  2. Why so Serious? 06:40
  3. Gavel’s Bang 05:49
  4. Lost in Decay 04:18
  5. In the Name of Your God 05:53
  6. A Second Birth 01:07
  7. The Checkered Sun 05:40
  8. Don’t Burn the Witch (Venom cover) 03:28
  9. The Way I’ll Stay 06:45
  10. Fractal Dimension 06:50

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