Die Bullen, Vögel die Erde essen, Keine Zähne im Maul aber La Paloma pfeifen

Schon oft von gehört, aber letztendlich ist man doch nie dort gewesen: das „Gleis 22“ in Münster. Bei der Bandzusammensetzung dieses Abends fassten wir uns dann endlich mal ein Herz und machten uns auf den Weg in das Nachbarbundesland – eine Entscheidung die wir nicht bereuen sollten. Frühzeitig angekommen; und das, obwohl uns Passanten auf Nachfrage wieder zurück zum Bahnhof schicken wollten; wurde uns allerdings der Einlass etwas später als geplant gewährt. Dadurch kam es zu Verzögerungen im Ablauf, was sich zu späterer Stunde noch rächen sollte. Was der Auslöser war, wurde uns leider vorenthalten.

Um fast halb zehn startete das Konzert dann mit den Jungs von Vögel die Erde essen durchaus lautstark, wenn auch mit etwas miesem Sound – was aber recht schnell behoben werden konnte. Mit im Gepäck hatten sie ihr kürzlich erschienenes Album „Besuch von Innen“, welches am 11. September auf dem Käptn Peng-Label „Kreismusik“ erschienen ist. In der halben Stunde, die den Berlinern gestattet wurden, hämmerten sie ein ordentliches Brett irgendwo zwischen Punk, Noise Rock und metallastigen Einflüssen auf die Bühne. Abwechslungsreich, experimentierfreudig und mit einem fabulösen Livegesang, der in seiner Höhe Ähnlichkeiten zu den frühen The Blood Brothers aufwies, wussten sie durchaus zu gefallen und hätten auch gerne deutlich länger spielen dürfen.

Als zweite Band des Abends folgten Keine Zähne im Maul aber La Paloma pfeifen. So abstrus wie der Name war in gewisser Weise auch ihr Auftritt: einer der Sänger wirkte optisch wie eine Mischung aus Wölfi (Sänger der Die Kassierer) und einem meiner Mitbewohner (ÄC). Musikalisch waren sie mit ihrem „Northern Punk mit Elektrogebimmel“ (Selbstbezeichnung) dann doch eine ganze Schippe besser als die Wattenscheider. Die vom Volksmund eher als Postpunker eingestuften Künstler werden von manchen sogar mit den legendären EA80, Razzia oder Fliehende Stürme verglichen, was dann doch etwas zu weit geht, auch wenn hinsichtlich der melancholischen Texte durchaus Parallelen zu letzten gegeben ist. Der Gesang weckte bei mir allerdings eher Assoziationen an eine verkorkste Mike Krüger-Version. Beim Großteil des Publikums konnte die Band, die wohl auch nicht das erste Mal im gut gefüllten Gleis 22 aufspielte, aber durchaus Sympathie ernten. Ist wohl ein typischer Fall der Kategorie „Muss man mögen“.

Nach erneuter Umbaupause folge dann das eigentliche Highlight des Abends: die Punkexekutive Norddeutschlands alias „Die Bullen“. Zu diesem Zeitpunkt war die Uhr allerdings schon weit vorangeschritten und uns wurde dann durch die Deutsche Bahn und der letzten möglichen Rückreise ein Platzverweis erteilt. Mitbekommen konnten wir lediglich den Beginn: ein paar Demonstrations-Zitate und ihr bekanntestes Lied, welches direkt am Anfang gespielt wurde, „Die Bullen komm´“. Mit dem Eindruck, wahrhaftig etwas verpassen zu werden, verließen wir die Lokalität wehmütig. Der erste Eindruck machte jedoch schnell klar, dass zeitnah eine Möglichkeit gefunden werden muss sich die Punkrocker in Uniform mit ihrem Mehrzweckstock mal in Gänze angucken zu müssen. Immerhin bezeichnete selbst Torsun (Egotronic) die Beamten als „die Deutschpunk Entdeckung des letzten Jahres“.

Abgesehen von der Zeitverzögerung und der dadurch verpassten letzten Band muss das „Gleis 22“ an sich gelobt werden, welches wirklich eine schöne Konzertlocation bietet mit sehr freundlichen Mitarbeitern und einem tollen Bier mit dem Namen „Pinkus Special“. Eines steht fest: Wir waren nicht das letzte Mal dort.

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