Accept – Too Mean To Die

Totgesagte leben länger. Und im Falle von Accept trifft das den Nagel wohl auf den Kopf. Als sich die Band 2009 ohne Originalsänger Udo Dirkschneider wiedervereinigte, gaben ihr die meisten Fans und Kritiker keine große Chance. Doch die neu formierte Truppe um Gitarrist Wolf Hoffmann und Frontröhre Mark Tornillo belehrten alle eines Besseren. Über zehn Jahre und fünf Alben später ist Accept so erfolgreich wie noch nie und liefert Hitalbum für Hitalbum ab. Da passt der Albumtitel des neuen Machwerks “Too Mean To Die” einfach nur zu gut. Accept sind halt nicht totzukriegen.


Artist:Accept
Herkunft:Deutschland/USA
Album:Too Mean To Die
Spielzeit:52:07 Minuten
Genre:Heavy Metal
Release Date:29.01.2021
Label:Nuclear Blast
Link:Facebook
Too Mean To Die

“I’m A Man On A Mission. We’re Too Mean To Die”

Die unglaubliche Popularität von Accept muss wohl daran liegen, dass man sich bei Accept sicher sein kann, was man bekommt. Denn wo Accept draufsteht, ist auch Accept drin. Damit kommt die Band bei ihren Fans an. Accept sind hart, teutonisch und messerscharf. Und das gleiche gilt auch für “Too Mean To Die”, welches mit seinem Opener “Zombie Apocalypse” schon mal eine erste Duftmarke hinterlässt. Ein schneller, straighter Song, der die immer größer werdende Horde der Smartphone-Zombies auf die Schüppe nimmt.

Auch der dann folgende Titelsong “Too Mean To Die” schlägt in eine ähnliche Kerbe. Lyrisch wird hier mit Textzeilen wie “I’m a heavy Metal Warrior” oder “I’m a man on a mission” noch einmal deutlich klar gemacht, dass Accept anno 2021 noch lange nicht zum alten Eisen gehören und immer noch auf einer Mission für den Heavy Metal sind. 

Groovy wird es dann mit “Overnight Sensation”. Rhythmisch stampfend und mit AC/DC-Einschlag versehen ist der Song sehr eingängig und dürfte auch live sehr gut funktionieren. Im Text lässt sich Tornillo zudem gar köstlich über die ganzen YouTube Influencer und die Kardashians im Speziellen aus. “No Ones Master” lebt dann vor allem von der melodischen Grundstimmung, die mit packenden Gitarrenduellen unterfüttert wird. Highlight ist das doppelläufige Gitarrenspiel im Bridge-Teil.

“The Undertaker Is A Busy Man”

Einen komplett anderen Spirit versprüht dann das ruhige und für Accept-Verhältnisse sehr düstere “The Undertaker”. Das Stück wurde auch bereits vorab als Single ausgekoppelt, was vielleicht ein wenig verwundert. Im Albumkontext funktioniert der Song aber nicht zuletzt durch seine coolen “Oh, Oh”-Chöre sehr gut.  Bei “Sucks To Be You” wird das Tempo wieder etwas angezogen, wobei der Song aber alles in allem einen eher rockig-rotzigen Touch hat. Erinnert ein wenig an die alten Accept, ist aber insgesamt nicht auf dem Niveau der anderen Songs des Albums.

Deutlich vielschichtiger kommt dann “Symphony Of Pain” daher. Auf der einen Seite ein knackiges, straightes Drumming und die markante Reibeisenstimme von Sänger Mark Tornillo, auf der anderen Seite das neoklassische Gitarrenspiel von Wolf Hoffmann, der hier mal eben fast nebenbei Beethovens fünfte und neunte Sinfonie musikalisch aufgreift und neu vertont.

“The Best Is Yet To Come”

Für einen Gänsehautmoment par excellence sorgt dann die kraftvolle Halbballade “The Best Is Yet to Come”. Dabei bringt Tornillo den sackstarken Text unglaublich emotional und vor allem glaubwürdig rüber. Allein die Textzeile: “On my dying bed I say. The best is yet to come” strotzt nur so vor Selbstvertrauen und positiver Energie. 

“How Do We Sleep” weißt inhaltliche Parallelen zu “Carry The Weight” von Vorgängeralbum “The Rise Of Chaos” (2017) auf und beschäftigt sich grob gesagt damit, wie es in Zukunft mit der Welt weitergehen soll. “How do we sleep at night, with the world around us going to hell?” Musikalisch wird der Song vor allem von den Accept-typsichen Chören und Tornillos charismatischer Stimme geprägt. 

Rock’n’Roll Power mit Arschtrittpotential und Hardrock-Attitüde liefert dann “Not My Problem”. Wie schon “Sucks To Be You” ist auch diese Nummer recht simpel gestrickt, geht dafür aber ordentlich nach vorne. Im Albumkontext aber eher “Filler” als “Killer”.

Fehlt noch ein Abschluss. Den liefert Wolf Hoffmann mit seiner komplett instrumentalen Nummer “Samson And Delilah” in der er zwei klassische Themen aufgreift. Das wären zum einen “Samson et Dalila” von Camille Saint-Saëns und zum anderen Antonin Dvoraks neunte Sinfonie “Aus der neuen Welt”. Hier zeigt der Gitarrero mit seiner Vorliebe für klassische Musik noch einmal sein Können und bringt “Too Mean To Die” damit kunstvoll zu Ende.

Fazit:

Accept machen mit “Too Mean To Die” im Grunde genommen genau dort weiter, wo sie mit “The Rise Of Chaos” aufgehört haben. Das neue Album ist zwar um einiges härter und in seiner Grundstimmung etwas düsterer als der Vorgänger, steht aber klar in der Tradition der Alben seit 2010. “Too Mean To Die” bietet alle bekannten Trademarks der aktuellen Accept-Besetzung. Eingängige “Oh, Oh”-Chöre, das neoklassische Gitarrenspiel von Wolf Hoffmann und die charismatische Reibeisenstimme von Mark Tornillo. Das alles wird eingebettet in 11 mehr oder weniger eingängige Metal-Kracher, mit denen fast jeder Kuttenträger etwas anfangen kann. Damit zeigt die Band zwar wenig Mut zu Innovationen, liefert dafür aber ein grundsolides Accept-Album ab. Und sind wie mal ehrlich, wollen wir von einer Band wie Accept nicht genau das?

Tracklist:

  1. Zombie Apocalypse
  2. Too Mean To Die
  3. Overnight Sensation
  4. No Ones Master
  5. The Undertaker
  6. Sucks To Be You
  7. Symphony Of Pain
  8. The Best Is Yet To Come
  9. How Do We Sleep
  10. Not My Problem
  11. Samson And Delilah
Accept – Too Mean To Die
Erle
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Bunt is das Dasein. Und Granatenstark. Volle Kanne Hoschi.

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