Booze Control – Forgotten Lands VÖ: 22.02.2019, Gates Of Hell Records, Heavy Metal

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Eigentlich wurde die Braunschweiger Truppe Booze Control nur für einen Gig gegründet. Das war im Jahr 2009. Heute, zehn Jahre später, ist die metallische Alkoholkontrolle noch immer im Geschäft und veröffentlicht dieser Tage mit “Forgotten Lands” ihr mittlerweile viertes Album. Darauf servieren uns die Jungs zehn klassische Heavy-Metal-Stücke im Old-School Design und mit typischen Booze Control Trademarks, aber auch ein paar neuen Elementen.

„Forgotten Lands geht sofort in die Vollen“

Die Band spannt ihre Zuhörer dann auch nicht lange mit irgendwelchen Intros auf die Folter, sondern geht sofort in die Vollen. Flotte Riffs, Twin Leads und einprägsame Melodien im Stil der alten Meister wie Maiden, Priest und Co. prägen die ersten Songs. Hervorgehoben sei hier der ziemlich coole Refrain von “Attack Of The Axemen”, der vor allem mit seinen mehrstimmigen Gesangsparts und Gangshout-Flair punkten kann. Auch “The Nameless” ist durchweg kurzweilig, tritt ordentlich aufs Gas und wird live sicherlich für ein paar fliegende Matten sorgen. Zudem setzt Sänger David Kuri hier auch endlich ein paar hohe Screams ein und beschert uns damit einen quietschigen Refrain, der für Freude sorgt.

Neue Elemente

Etwas aus der Reihe schlagen dann “Of The Deep” und “Spellbound”. Die Jungs nehmen hier ein wenig Tempo raus, und die Gitarren ballern nicht mehr so brachial durch die Weltgeschichte, sondern spielen mit mehr Ausdruck. Das verleiht dem Ganzen eine etwas düstere Grundstimmung. Auch der Gesang scheint hier dunkler gefärbt zu sein, als man das von früheren Booze Control-Werken kennt. Ein wenig fühle ich mich an Grand Magus erinnert. Dieser derart epische Ansatz war mir bei den Braunschweigern bisher so noch nicht aufgefallen. Doch was zunächst ungewöhnlich klingt, entfaltet sich nach dem zweiten oder dritten Durchlauf und steht den Stücken ganz gut zu Gesicht.

Nach diesem kurzen Ausflug geht es dann aber schnell wieder zurück in bekannte Gefilde. “Slaying The Mantis” ist ein erstklassiger Feger, der mit seinem coolen Anfangsriff (Motörhead lässt grüßen) schon mal mächtig drückt. Hohe Screams im Refrain und coole Soli runden den Song ab. Zwischendurch geben die Jungs sogar mal richtig Gas. Auch “Playing With Fire” ist ein klassischer Heavy Metal Song, der zum Headbangen einlädt. Auffällig ist hier der variable Gesang und der groovige Basslauf, auf den der Song aufgebaut.

Abwechslungsreich und mit neuer Attitüde

“Thanatos” überzeugt vor allem durch seinen Abwechslungsreichtum. Mit treibenden Drums und zweistimmigen Gitarren geht es zügig zur Sache. Später wird dann wieder Tempo herausgenommen. Auch der Gesang wechselt immer wieder zwischen bösen Shouts und melodiösen Einlagen. Insgesamt eines der vielfältigsten Lieder auf dem Album. Noch einen drauf setzt dann allerdings “Doom Of Sargoth”. Dieser sehr atmosphärische, fast schon schwermütige Song zeigt einmal mehr den bereits genannten epischen Einfluss. Der Bass tuckert schon fast doomig und die Gitarren klingen düster und bedrohlich. Natürlich spielen die Jungs immer noch Heavy Metal und streuen auch weiterhin ihre bekannten Trademarks ein, aber mit einer komplett anderen Attitüde als noch auf “The Lizard Rider”.

Das große Epos kommt zum Schluss

Die Krönung des Albums ist allerdings das achtminütige Epos “Cydonian Sands”. Die Gesangslinie am Anfang muss einfach an die neueren Maiden Outputs (nach “A Matter Of Life And Death”) erinnern und sorgt mit seinem geheimnisvollen Touch direkt für Spannung. Mit einem für Booze Control-Verhältnisse ungewöhnlich fetten Akkordteppich und leichtem Bombasteinschlag ist es zudem unglaublich abwechslungsreich und interessant arrangiert. Auch die Gitarrenparts wirken sehr ausgewogen und passen perfekt ins Konzept dieses getragenen, aber dennoch irgendwie positiv klingenden Songs. Ein klasse Abschluss für das Album.

Booze Control gehen ihren Weg mit “Forgotten Lands” konsequent weiter. Sie nehmen neue Elemente auf und verändern ihren Sound, ohne dabei aber ihre Wurzeln zu vergessen. Die Band bewegt sich in ihren Songs ein wenig weg von der Party-Attitüde der früheren Alben. Dafür treten ernstere Songs mit mehr Atmosphäre an ihre Stelle. Es wird epischer und vielschichtiger. Das steht den Songs gut zu Gesicht. Allerdings muss man auch sagen, dass “Forgotten Lands” etwas braucht, um in Schwung zu kommen. Es lässt das Tempo und die Aggressivität der Vorgängeralben vermissen. Hinzu kommt eine Produktion und ein Sound, der sehr minimalistisch wirkt. Das hätte durchaus etwas kraftvoller ausfallen dürfen.

Was am Ende bleibt, ist ein solides Heavy-Metal-Album mit einigen Höhepunkten, aber leider ohne den erhofften “Wow”-Effekt.

Tracklist:

  1. Forgotten Lands
  2. Attack Of the Axemen
  3. The Nameless
  4. Of The Deep
  5. Spellbound
  6. Slaying The Mantis
  7. Playing With Fire
  8. Thanatos
  9. Doom Of Sargoth
  10. Cydonian Sands

Über Erle 147 Artikel
Bunt is das Dasein. Und Granatenstark. Volle Kanne Hoschi.

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