Clawfinger + Savage Blood + Freezes Denya 21.05.2022, Maiwoche Osnabrück, Herrenteichswall

Die 90er haben angerufen. Die haben uns Bands vorbei geschickt. So oder so ähnlich könnte man diesen Abend beschreiben. Zwei Bands, Freezes Deyna und Clawfinger, aus einem Genre, das so dermaßen Neunziger ist, das selbst die etablierten Savage Blood daneben irgendwie seltsam wirken.

Clawfinger + Savage Blood + Freezes Denya 21.05.2022, Maiwoche Osnabrück, Herrenteichswall

Freezes Deyna, aus der Schweiz, sind zwar etwas zu jung, um die Neunziger aktiv miterlebt zu haben, aber ihre Musik, die in der offiziellen Promo der Maiwoche als eine Mischung aus Metal, Punk, Hip-Hop und – jetzt kommt’s – Miami Beach Flöten-Polka (Das steht da wirklich), beschrieben wurde, ist im Endeffekt wesentlich einfacher zu erklären: Limp Bizkit in jung und ohne Fred Durst. Obwohl ihr Frontmann bei den erstens Songs schon verdammt nahe am Timbre des passionierten Cappy-Trägers dran ist. Auch wenn wir nur vier Musiker wirklich sehen können, versteckt sich hinter den Verstärkern noch ein DJ mit Turntable und Mischpult, der auch kurz ein Scratch Solo einlegen darf. Alles in allem ist es solider Rap- bzw. Nu Metal, der in einer früheren Zeit durchaus hätte erfolgreich werden können. Vielleicht erlebt dieses Genre ja auch noch mal ein Revival.

Savage Blood wirken heute doch etwas exotisch. Ihre Mischung aus traditionellem Heavy und Power Metal mit leichtem Thrash-Einschlag passt nicht so ganz zum Rest des Line-Ups. Was allerdings nicht bedeutet, dass sie heute Standgas spielen. “Downfall”, “Violent Attack”, der leider wieder zu gut in die aktuelle politische Situation passt, und “Savage Blood” eröffnen den Set. Markus Weckermann trägt wieder seine markante rote Hose, die er laut eigener Aussage extra für mich angezogen hat, hat aber zum Glück vorher sein rotes Iron Maiden Shirt gegen ein schwarzes Dead Head Oberteil getauscht, so dass er heute nicht ganz nach Hellweg-Mitarbeiter aussieht. Was Neues gibt es auch. “Into The Fray” und “Lord Of The Dark” nämlich. Kommt wohl demnächst ein neues Album? Markus haben die Gigs scheinbar auch sehr gefehlt, denn er macht einen kurzen Abstecher ins Publikum, um zwischen den Leuten weiterzuspielen. Auch “Queen Of The Run”, mein persönlicher Liebling, hat es in die Setlist geschafft. Mit “The Fight” und “Dead Water” sind wir am Ende angekommen. Trotz Exotenstatus haben Savage Blood voll abgeräumt.

Anfang der Neunziger dominierte der Grunge die Gitarrenmusik. In Schweden entstanden Death Metal Bands in jedem Haushalt und sollten später sogar den Melodic Death Metal kreieren. In Norwegen dagegen brannten Kirchen und der Black Metal trieb sein Unwesen. Ein paar Jungs aus diesen beiden Ländern wollten sich diesem Trend jedoch nicht anschließen. Sie gründeten Clawfinger und leisteten Pionierarbeit für den Crossover und Rap Metal.

Clawfinger umsonst auf der Maiwoche? Hin da! Mit “World Domination”, “Prisoners” und “Nothing Going On” wird der Set eröffnet und auch “Recipe For Hate” hat angesichts der aktuellen Weltlage einen viel zu aktuellen Beigeschmack. Was man übrigens auch über die Preise für die Maibowle sagen kann. 6€ für ein kleines Glas. Aber dafür gibts eine Sonnenbrille und eine pinke Bobperücke gratis dazu. Gut, den Spaß machen wir mal mit. Habe ich aktuelle Lage erwähnt? “Warefair” schlägt in dieselbe Wunde. Es schein so als seien Bands mit Hip-Hop-Hintergründen in ihrem Text etwas aktueller als die Kollegen aus Death und Black Metal. Auch bei Clawfinger ist heute Tag der Publikumsnähe, und so steigt auch ihr Gitarrist von der Bühne runter, nur um sich mit dem namensgebenden Herrenteichswall eine noch höhere Position zu suchen und die Fans, die von außen durch den Zaun das Konzert verfolgen, abzuklatschen. Nach gut eineinhalb Stunden wird mit “Pin Me Down”, “Two Sides” und “The Price We Pay” der offizielle Teil des Sets beendet. Im Zugabenblock werden dann mit “Biggest & The Best”, “The Truth” und dem Mitsingklassiker “Do What I Say” noch die Songs nachgereicht, für die wohl die meisten heute hier waren.

Fazit: Rap Metal funktioniert live auch noch im Jahre 2022.

« von 2 »

Bericht: Inquisitor, Fotos: Dark Angel

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