Festivalbericht 21. Headbangers Open Air 26.07. - 28.07.2018, Brande-Hörnerkirchen

HOA2018

Das Headbangers Open Air lockte in diesem Jahr wieder zahlreiche Besucher aus der ganzen Welt an und konnte in vielen Punkten überzeugen. Dennoch gab es auch ein paar verbesserungswürdige Dinge. Das Wesentliche, die Bands, waren allerdings dieses Jahr mehr als exzellent. 

Donnerstag, 26.07.2018

Die Anreise am Donnerstag verlief dieses Jahr aufgrund der frühen Abfahrt um 08:00 Uhr wieder reibungslos für uns. Gut gelaunt kamen wir also mit unserem Tross am HOA-Ground an und durften bei brütender Hitze unsere Zelte aufschlagen. Danach wurde direkt das Gelände erkundet und mit Wohlwollen festgestellt, dass selbiges dieses Jahr mit Schotter bestens gegen Schlamm und Matsch gesichert war. Der übliche Markt befand sich wieder an Ort und Stelle, so lud wieder ein guter Mix an Essensständen zum Schlemmen ein. Auch die hervorragende Piraten-Cocktailbude war wieder am Start sowie ein CD/LP-Stand und diverse Bekleidungshändler. Leider war auch dieses Mal der Hellion Records-Stand nicht dabei, was jedoch meinen Geldbeutel extrem schonen sollte.

Als Opener des Festivals waren heute Shadowbane am Start. Der Apocalyptic Power Metal, wie die Band ihren Stil selbst bezeichnet, wurde durch das bereits zahlreich erschienene Publikum wohlwollend aufgenommen und zeichnet sich durch eine gesunde Härte aus. Als Showeinlage wurde die Band durch zwei in Strahlenanzügen und mit Gasmaske bekleidete Personen unterstützt, die zu guter Letzt auch noch Schnaps aus Reagenzgläsern ans Publikum ausschenkten. Ein gelungener solider Auftakt der Hamburger!

Speed Queen aus Belgien schrauben die Geschwindigkeit danach ein wenig hoch. Der klassische Metal wird durch die Band mit gutem Stageacting rübergebracht. Genau richtig, wie ich finde, damit nicht nur ich endlich richtig angekommen bin. Speed Queen bereitet dann den Boden für die Hochgeschwindigkeitsfanatiker von Seax. Die Band, die gerade eine Tour im Vorprogramm von Lich King absolviert hat, lässt sich keine Müdigkeit anmerken. Äußerst aktiv feuern die Jungs ihre Speed-Geschosse ins Publikum. Songtitel wie „Speed Metal Mania“ oder „Possessed By The Axe“ sprechen dabei Bände. Definitiv ein erstes Highlight, auch wenn der Sänger mir stimmtechnisch ein wenig zu dünn rüberkommt.

Nach diesen beiden jungen Wilden ist es Zeit für Ravage, die bereits seit Ende der Neunziger aktiv sind und ebenfalls eher klassischen Metal zelebrieren. Nach wie vor ist das Gelände gut gefüllt und trotz der hohen Temperaturen ist die Stimmung klasse. Ich mache jedoch eine Pause, um meine bei Seax verbrannten Kalorien wieder zuzuführen und passend zu Blazon Stone wieder vor Ort zu sein. Die Running Wild-Worshipper sind ja als letztes auf das eigentlich bereits volle Billing aufgesprungen und werden nicht nur von mir heiß erwartet. Sie machen ihre Sache dann auch gut, aber nicht überragend.  Irgendwie will der Funke live bei mir nicht so überspringen, wie ich das bei den tollen Piraten-Hymnen erhofft hatte. Die Stimmung vor der Bühne ist allerdings mehr als gut!

Viele warten nun sehnsüchtig auf den Gig der Epic Metaller Manilla Road. Dieser gerät dann auch sehr überzeugend. Die Band ist super eingespielt und zockt heute sehr tight. Sänger Bryan ist klasse drauf und bringt die emotionalen Songs inklusive des Übersongs „Necropolis“ überzeugend rüber. Ebenso wie Mainman Mark Shelton, der toll in Form ist, stimmlich wie spielerisch. Nach diesem emotionalen Epic-Leckerbissen darf die härtere Fraktion bei Morgana Lefay noch einmal richtig abgehen. Da es bereits dunkel ist, wirken die düsteren atmosphärischen Songs der Band nochmal intensiver. Leider wird heute wieder nicht „State Of Intoxication“ gespielt, aber auch so haben Morgana Lefay natürlich mehr als genug Kracher im Gepäck. Charles Rytkönen ist heute äußerst gut gelaunt, lacht viel und lässt das Publikum öfter kräftig mitsingen. Das geht zwar ein wenig zu Lasten der Atmosphäre, aber auch so ist es mal wieder ein fantastischer Gig dieser selten auftretenden Band.

Ein fantastischer Eröffnungstag geht damit zu Ende, an dem es nicht viel zu meckern gibt.

Freitag, 27.07.2018

Der Tag beginnt zu früh für mich, denn an langen Schlaf ist aufgrund der bereits am Morgen hohen Temperaturen nicht zu denken. Ein Schock folgt. Auf dem Gelände macht die Nachricht die Runde, Mark Shelton von Manilla Road sei heute Nacht im Elmshorner Krankenhaus verstorben. Niemand kann und will das wirklich glauben, aber spätestens als einer der beiden Veranstalter, Jürgen Hegewald, auf der Bühne diese Nachricht bestätigt, macht sich Fassungslosigkeit breit. Der grandiose Gig vom Vorabend kommt einem wieder in Erinnerung… Ruhe in Frieden Mark!

Alle kleinen Meckereien werden durch obige Nachricht unwichtig. Trotzdem soll nicht verschwiegen werden, dass die Toilettensituation sich zum Vorjahr eher noch verschlechtert hat, soviel wird heute offensichtlich. Der Zustand der Wasserklos wird von Jahr zu Jahr halt nicht besser und da die gute Seele Maria dieses Jahr nicht da ist, macht es das Ganze auch nicht besser. Warum außerdem nach Öffnung des Geländes die Dixies immer noch überquillen, ist nicht verständlich. Über die Duschen braucht man auch wieder einmal kein Wort verlieren. Die paar ranzigen Camping-Duschen, die aufgestellt sind, müssen auch noch reserviert werden. Das wäre ja noch ok, wenn dann nicht einfach so Leute ohne Reservierung kommen, duschen können und man selbst dann noch, trotz Reservierung, ne halbe Stunde wartet. Nun gut, weiter zur Musik!

Psychoprism dürfen heute mit ihrem keyboardlastigen US-Power Metal beginnen. Die Band ist gut, aber dass sie so gut ankommt, mag den einen oder anderen doch überraschen. Sänger Jess Rittgers sieht zwar aus wie ein Bodybuilder, der gerade aus der Muckibude kommt, aber er setzt den melodischen, progressiven Songs mit seiner tollen Stimme die Krone auf. Ein emotionales Kraftpaket, das bestens mit seinen ebenfalls überragenden Nebenleuten harmoniert. Dabei fügen sich die Keyboards songdienlich ein ohne zu nerven. Für mich und alle anderen Queensryche/Shadow Gallery-Verehrer ein Fest!

Danach muss ich erst einmal durchschnaufen, so sehr hat mich dieser erste Auftritt schon gepackt. Als ich dann etwa zur Mitte des Syrus-Gigs wieder zum Gelände zurückkehre, beiße ich mir gleich in den Allerwertesten. Auch wenn noch nicht allzu viele Fans vor der Bühne stehen, überzeugt diese, bereits seit 1986 aktive Band heute alle Anwesenden mit ihren epischen Stücken. Nicht nur die Songs des erst letzten Jahres erschienen Debüts „Tales Of War“ werden durch eine weitere tolle Gesangsdarbietung vorgebracht. Hingucker ist definitiv das Bass-Tier des Festivals, Dan Jimenez. Was dieser hier mit seiner unbändigen Spielfreude für eine Show abzieht, ist ein Ohren- und Augenschmaus. Die Bassgitarre wird durch Dan quasi gespielt wie eine Gitarre, und so huschen seine Finger wie wild über die Saiten, großartig!

Eigentlich können Ancient Empire hiernach nur verlieren. Trotzdem bin ich gespannt, wie sich u. a. die Stücke des überragenden letzten Studioalbums „The Tower“ heute live anhören. Und die Jungs um Joe Liszt machen ihre Sache ausgesprochen gut. Der harte melodische Power Metal ohne Firlefanz ist jetzt genau das Richtige. Auch Songs des heute erschienenen neuen Outputs der Band fügen sich nahtlos ein. So verwundert es nicht, wenn der Band am Merch-Stand die Alben für fanfreundliche 10 Euro aus den Händen gerissen werden. Bevor Trance loslegen, kommt Preacher (ex-Running Wild) noch auf die Bühne und sagt ein paar Worte zum verstorbenen Mark Shelton. Das Ganze wirkt äußerst spontan und holprig, aber die Geste ist toll, und das ist was in erster Linie zählt.

Überglücklich torkel ich, musikalisch überfüllt, wieder zum Zelt. Das muss ich erstmal sacken lassen. Sorry Trance und Destiny, aber ich muss ja pünktlich und frisch gestärkt zu den in letzter Sekunde für Tyrant verpflichteten Sorcerer wieder vor der Bühne sein. Und auch hier werde ich nicht enttäuscht. Sorcerer sind eine Macht. Anders Engberg singt inbrünstig und mit einer Emotionalität, die man nicht anders beschreiben kann als absolut ergreifend. Die Band spielt ihre großartigen Hymnen heute nahe an der Perfektion. Wer bei „Prayers For A King“ keine Gänsehaut bekommt, dem ist nicht mehr zu helfen.

TKO fahren danach eine ganz andere Schiene. Auch wenn ich die Herren nicht aus den Achtzigern kenne, wie einige Umstehende, muss man ihnen doch attestieren, dass sie ihre Sache ebenfalls sehr gut machen. Der Gute-Laune-Heavy-Metal wird überzeugend rübergebracht und man merkt, wie die Party-Stimmung nach den eher düsteren Sorcerer gleich wieder steigt. Stimmungsmäßig wird man hier also auf Tankard vorbereitet, und diese liefern danach wieder einmal einen umjubelten Gig ab. Gerre und Konsorten sind auf der Bühne agil wie eh und je. Hits wie „Chemical Invasion“ oder „Rectifier“ werden lauthals mitgegrölt und auch neuere Sachen wie „A Girl Called Cerveza“ kommen hervorragend an. Der Party-Thrash mag nicht jedermanns Sache sein, aber die Stimmung ist am Höhepunkt.

Als Headliner darf heute, wie im letzten Jahr, Loudness spielen. Dafür sind sie dieses Mal auch mit einem Special Old School-Set am Start. Ich bin kein großer Fan, auch wenn eine Scheibe wie „Thunder in the East“ durchaus mal bei mir rotiert. Das ausgelaugte Publikum ist jedoch noch zahlreich vorhanden und honoriert die Show der weitgereisten Japaner. Ich mache mich jedoch frühzeitig, ausgepumpt auf den Weg zum Zeltplatz.

Samstag, 28.07.2018

Der Tag beginnt heute nicht ganz so warm wie die vorausgegangenen, was nichts daran ändert, dass ich früh wieder auf den Beinen bin. Heute braucht’s halt auch ein wenig länger, um den letzten Tag abzuschütteln. Dabei sollen heute die Franzosen von Existance helfen. Der Samstags-Opener ist ja immer etwas schwierig, denn alle haben schon 2 Tage Festival in den Knochen. Daher verwundert es nicht, dass das Gelände auch noch nicht so gut gefüllt ist wie sonst. Dennoch sind die Anwesenden schnell auf Temperatur gebracht. Der eingängige, flotte Metal wird überzeugend mit viel Bewegungsfreude gespielt und die Band hat sichtlich Spaß. Insgesamt macht das noch nen Tacken mehr Laune als schon auf Platte, und Sänger Julian Izard (Sohn des kürzlich verstorbenen Didier Izard – Sänger der Kult-Combo H-Bomb) kann durch souveränen Gesang und die eingestreuten Screams überzeugen. Tolle Soli werden ebenfalls geboten, und so werden Songs wie „We Are Restless“ und „Breaking The Rock“ auch schon zu früher Mittagsstunde mitgesungen.

Die Müdigkeit ist aus den Knochen vertrieben, nun kommen Millennium auf die Bühne. Die Band, welche der NWOBHM-Bewegung angehört, überzeugt mich jedoch nicht. Das ist alles ganz nett anzuhören, aber gerade der Sänger wirkt auf mich mit seinem angestrengten Gesang nach den tollen Gesangsdarbietungen der letzten Tage fast ein bisschen schmerzlich in den Ohren. Also doch lieber noch einmal ’ne Runde die Beine vertreten und mit den netten Leuten um mich herum quatschen.

Auf Hitten habe ich mich heute ganz besonders gefreut. Und was die Spanier dann auf der Bühne abliefern, ist großes Poser-Heavy-Metal-Kino. Hier wird geballte Spielfreude geboten und nach allen Regeln gepost. Der Funke springt dadurch direkt auf die Fans über, und so wird die Band enthusiastisch abgefeiert. Die andere Hälfte der Miete sind natürlich die tollen Songs, die Hitten verstehen zu schreiben. Da stehen speedige Geschosse wie „Endless Race“ gleichberechtigt neben gefühlvollen Bangern der Marke „Running Over Fire“. Und dass ein Hit wie „Don’t Be Late“ nur auf 7 Inch erhältlich ist, darf man schon als Schande bezeichnen! Sichtlich berührt von den euphorischen Reaktionen verschwinden die Spanier dann von der Bühne. Wenn diese Band nicht größer wird, dann versteh ich die Metalwelt nicht mehr.

Da das Wetter gerade umschlägt, muss erstmal der Campingground gesichert werden. Starke Windböen lassen bereits die ersten, schlecht gesicherten, Pavillons fliegen. Diesem Umstand fallen dann Witchfynde zum Opfer, ehe ich den letzten Klängen der Ruhrpott-Thrasher Darkness lausche, die mich zwar nicht vom Hocker hauen, aber trotzdem ihre Berechtigung haben. Schön rotziger Thrash geht halt immer irgendwie! Metal Inquisitor dürfen dann ran und können bei mir nicht verlieren. Schneller Heavy Metal, der bei mir auf offene Ohren stößt und einige Hits („Call the Banners“, „M4-A1“) zu bieten hat. Ich könnte jetzt aufgrund der Songauswahl meckern („Servant Of The State“ fehlt!), aber insgesamt macht das wie immer viel Spaß. Irgendwie fehlt mir aber die Frische, so dass dieser Gig für mich nicht an den umjubelten 2011er Gig heranreicht.

Bei Girlschool lege ich dann eine Pause ein. Hinterher hört man jedoch nur Positives, so dass ich mich ein wenig ärgere. Aber man kann nicht alles haben. Auf Anvil verzichte ich jedoch größtenteils bewusst. Das ist einfach immer nur ok und nie überragend, was die Kanadier bieten. Das packt mich einfach nicht, und heute sollen sie zudem den schlechtesten Sound des gesamten Festivals haben.

Dass sich das Gelände nun massiv füllt, war zu erwarten. Riot V haben mit tollen Auftritten und den letzten Alben, die auf Augenhöhe mit den Klassikern agieren, die Messlatte hochgesteckt. Die Band wird ihrem Status als Headliner dann auch mehr als gerecht. Souverän und tight wird heute ein Set aus allen Phasen der Band gespielt. Neue Kracher wie „Angel’s Thunder, Devil’s Reign oder „Take Me Back“ stehen ebenbürtig neben älteren Hymnen, die man hier wohl nicht aufzählen muss. Schön auch, dass z. B. ein seltener Song wie „Angel Eyes vom Inishmore-Album gespielt wird. Sänger Todd Michael Hall zeigt heute wieder, wie gut er zu Riot passt. Alle anderen Bandmitglieder sind ebenfalls bestens aufgelegt. Bassist Don Van Stavern lässt es sich nicht nehmen, zwischendurch immer mal wieder eine Tequila-Flasche rumzureichen. Wenn diese jedoch mit dem richtigen Inhalt gefüllt wäre, würde der Gig bis zum Schluss nicht so großartig gewesen sein. Zu guter Letzt entledigt sich Todd, zur Freude der weiblichen Fans, noch seiner Oberbekleidung, bevor das fantastische Triple in Form von „Swords And Tequila“, „Warrior“ und „Thundersteel“ die Menge in Ekstase zurücklässt.

Damit geht ein fantastisches Headbangers Open Air zu Ende. Die Bandauswahl hat Großes versprochen und dieses auch gehalten. Respekt und Anerkennung für die diesjährige großartige Zusammenstellung und für die tollen Auftritte der meisten Bands! We’ll be back!

Ein besonderer Dank geht an Martin Brandt (That’s Metal) für das Zurverfügungstellen einiger Fotos!

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I am the Great Cornholio!

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