Festivalbericht – Metal Embrace 2018 07.09. - 08.09. 2018 - Barleben

Metal Embrace 2018

Auch in diesem Jahr stand das Metal Embrace wieder auf dem Festivalkalender der Heavy-Stage-Force-Redaktion. Das gemütliche und familiäre Festival in Barleben bei Magdeburg ist einfach prädestiniert für einen entspannten Ausklang der Festivalsaison. Insgesamt 15 überwiegend kleinere Bands aus dem Underground sorgten dabei für die musikalische Untermalung. 

Freitag 

Nach einer unproblematischen Anfahrt und der freundlichen Begrüßung in unserer Unterkunft machen wir uns pünktlich zu halb vier auf zum Gelände, um dann feststellen zu müssen, dass die erste Band Scornebeke ihren Gig leider aus familiären Gründen absagen müssen. So bleibt für uns noch ein wenig Zeit ein paar alte Bekannte zu begrüßen und uns mit einem Kaltgetränk auf das Festival einzustimmen.  

Um kurz vor fünf geht es dann aber endlich richtig los. Die Berliner Heavy Thrasher Daily Insanity eröffnen den Reigen, können sich bereits jetzt über eine ganz gut gefüllte Halle freuen und sorgen mit ihrem rotzigen Thrash Metal vor der Bühne schon einmal für Bewegung. Auch Thrudvangar können die Festivalbesucher mit ihrer Black/Pagan Metal Mischung überzeugen. Die Halle ist gut gefüllt und der Band recken sich reichlich Pommesgabeln entgegen. Sänger Matze nutzt die Gunst der Stunde und lässt die Leute auf dem Boden Platz nehmen und rudern. „Wo sind die Ruderer?“ brüllt er in die Menge und bekommt ein lautes „Hier“ zurückgeschleudert. So veranstalten die Köthener mit ihren Fans die erste fette Party des Wochenendes.  

Bei Critical Mess steht dann plötzlich eine alte Bekannte auf der Bühne. Britta Görtz wird vielen noch als Frontfrau der Hannoveraner Death-Metal-Truppe Cripper bekannt sein. Seit 2016 steht sie nun bei Critical Mess hinter dem Mikro und bereichert die Truppe mit ihrer kraftvollen Stimme. Aber auch die anderen Bandmitglieder sind gut aufgelegt und liefern eine energetische und kompromisslose Old School Death Metal Show ab. Das Material des im März 2018 erschienenen Albums “Human Prey” erweist sich dabei als überaus livetauglich. 

Eine Hochgeschwindigkeits-Double-Bass, giftige Gitarrenriffs und ein bitterböser Growl-Gesang erleben die Metal-Embrace-Besucher dann, als die Leipziger Black-Metal-Truppe Grabak die Bühne betritt. Das kommt beim Barlebener Publikum richtig gut an und es werden kräftig die Matten geschwungen. Auf der Bühne geht es, was das Stageacting angeht, allerdings eher ruhiger zu. Die Jungs stehen mit ihrem zum Teil kunstblutverschmierten Corpsepaint zumeinst stoisch auf der Bühne und ziehen ihren Stiefel stilecht durch. Lediglich Sänger Jan Klepel ist etwas agiler auf der Bühne, lässt hier und da mal die Matte kreisen und heizt die Meute vor Bühne von Zeit zu Zeit an. Musikalisch zeigen Grabak vor allem in der zweiten Hälfte ihres Auftritts, dass sie neben relativ plattem Black-Metal-Gebolze auch ein Händchen für Atmosphäre haben und liefern einige schaurig schöne Stücke ab. So entwickelt sich der heutige Auftritt zu einem echten Highlight, das vom Publikum mit ordentlich Applaus belohnt wird.   

Nach so viel Düsternis ist dann aber erst einmal Zeit für etwas erfrischenden Melodic Death Metal mit leichtem Thrash-Einschlag. Den besorgen dann die Franzosen von No Return. Mit ihrer energiegeladenen Show sorgen sie für reichlich Bewegung vor der Bühne. Und auch die Bandmitglieder, allen voran Sänger Mick, sind unheimlich aktiv, tauschen immer wieder ihre Positionen und heizen das Publikum an. Ebenfalls überzeugen können No Return mit ihren eingängigen Kompositionen, die eine gute Balance zwischen Härte und Melodiösität halten. Mal geht es mit Volldampf und bösem Growlen in die Vollen, mal dominiert ein flinkes Gitarrenriff. Garniert wird das Ganze mit einem Hauch von Bombast. Fertig ist eine kurzweilige Show, die alle Zuschauer wohlwollend an ihrem Kaltgetränk nippen lässt. 

Nachdem die Franzosen dann das Feld geräumt haben, wird es plötzlich erstaunlich leer in der Halle. Das ist insofern verwunderlich, als dass das Metal Embrace mit Refuge nun einen echten Klassiker als Headliner am Start hat. Vielleicht ist es den meisten Besucher aber einfach nicht bewusst, dass es sich bei dieser Band um Rage in ihrem Line-Up von 1988 bis 1993 handelt. Doch sei’s drum. Die Anwesenden genießen den Gig von Peavy Wagner, Chris Efthimiadis und Manni Schmidt auf jeden Fall. Und so werden Rage-Klassiker wie “Don’t Fear The Winter” oder “Enough Is Enough” auch anstandsgemäß abgefeiert. Und auch neue Songs der aktuellen Refuge-Scheibe “Solitary Man” kommen zu ihrem Recht. Insgesamt ein guter Auftritt und ein würdiger Abschluss für den ersten Festivaltag. 

 Samstag 

Mit einer ordentlichen Portion Old School Death Metal beginnt der Samstag. Dissecdead, die ihr Hauptquartier mittlerweile in Berlin aufgeschlagen haben, bolzen ihren Fans den letzten Schlaf aus den Augen und machen richtig Dampf. Und auch wenn die Resonanz im Publikum noch recht dürftig ist, liefert die Truppe eine dynamische Show ab. Ein guter Start in den Tag. Als so etwas wie ein Exot im Billing kann dann wohl die Thrash-Metal-Truppe Pokerface bezeichnet werden. Nicht nur, dass die Band aus Moskau wohl die weiteste Anreise hatte. Auch die Tatsache, dass die Vocals bei Pokerface von einer Sängerin übernommen werden, ist schon etwas besonders. Frontfrau Alexandra “Owl” Orlova macht ihre Sache aber überaus überzeugend und kann mit einer Mischung aus bösen Growls und kraftvollem Cleangesang punkten. Auch der Rest der Band ist gut aufgelegt und liefert eine tolle Show ab. Gitarristin Xen Ritter post immer wieder über die Bühne, Basser Dmitry Moroszov zieht cool seinen Stiefel durch und der Doctor an den Drums liefert den passenden Rhythmus dazu. Das macht Spaß. 

Freunde der First Wave of Black Metal kommen dann bei Blood Fire Death voll auf ihre Kosten. Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich dabei um eine Bathory Tribute Band. Und die Truppe aus dem Raum Karlsruhe/Heidelberg nimmt die Metal-Embrace-Besucher nun für die nächsten 40 Minuten mit auf eine eindrucksvolle Reise durch das Bathory-Universum. Dabei macht die Band um Sänger Marcel Mattner eine richtig gute Figur und zelebriert mir ihrer Show das Andenken an Quorthon, einem Pionier des Black Metal. Die Band ist gut abgestimmt und versteht es, ihre Fans mitzunehmen. Und so werden Klassiker wie “One Rode To Asa Bay” oder das abschließende “The Lake” auch von den Zuschauern lauthals mitgesungen.    

Die Melodic Death Metal Band Sleeper’s Guilt hat zunächst etwas Probleme mit dem an diesem Wochenende ansonsten weitestgehend guten Sound. Zum Glück bekommt der Mischer das relativ schnell in den Griff, sodass einer abwechslungsreichen Show nichts mehr im Wege steht. Musikalisch gibt es ohnehin nichts zu meckern und auch was das Stageacting angeht, machen die Luxemburger eine gute Figur. Ganz besonders Sänger Patrick Schaul agiert sehr gut, animiert die Zuschauer immer wieder mit “Hey, Hey”-Rufen und bewegt sich unentwegt auf der Bühne hin und her. Zwischendurch nimmt er sich gar die Freiheit für Ausflüge in den Bühnengraben oder ins Publikum, um dort ein kleines Tänzchen zu wagen. Kein Wunder also, dass die Band zum Ende auch ihren verdienten Applaus bekommt. 

Bitterböse und düster wird es dann wieder bei Ellende. Das österreichische Ambient-Black-Metal-Projekt um den Musiker L.G.  schafft von Anfang an eine schaurige Atmosphäre, die an den Vorhof zur Hölle denken lässt. Die schwermütigen und dennoch treibenden Beats gepaart mit dem krächzenden Kreischgesang verstärken dieses Gefühl noch. Unterbrochen werden diese harten Passagen zwischendurch dann immer wieder von ruhigen, zum Teil akustischen Passagen, die die Zuschauer noch weiter in Melancholie versinken lassen. Dementsprechend ruhig ist es auch vor der Bühne. Hier scheint jeder ziemlich mit sich selbst beschäftigt zu sein. Für Fans des Genres aber durchaus ein interessantes Erlebnis.  

Deutlich leichtere Kost mit wesentlich mehr Partypotential liefern dann Poltergeist ab. Pfeilschnelle Riffs, unermüdlich nach vorne preschende Drums und ein engagierter Sänger sorgen auf der Bühne für eine ausgelassene Thrash Metal Party mit Speed-Metal-Einschlag. Die Truppe aus der Schweiz ist verdammt gut aufgelegt und zieht dabei auch das Publikum mit. Es werden die Matten geschwungen und kräftig gebangt. Ein kurzweiliger Auftritt, der für ein gutes Maß an Bewegung vor der Bühne sorgt. 

Danach wird es mit Fjoergyn dann wieder episch. Die Meister des Avantarde Black Metal aus Jena sind auf dem Metal Embrace erwartungsgemäß sehr angesagt und können sich über eine richtig gut gefüllte Halle freuen, als sie die Bühne nach dem gut dreiminütigem Intro “MMXVII” betreten. Nach einer knappen, wortlosen Begrüßung steigen die Jungs mit “Leviathan” dann auch direkt mit voller Wucht in ihren knapp einstündigen Gig ein. Im weiteren Verlauf des Gigs, der ausschließlich aus Stücken des aktuellen Albums “Lvciver Es” besteht, hält sich die Interaktion der Band mit dem Publikum, abgesehen von einer längeren Ansage zu “Lvcifer Es” eher in Grenzen. Die Meute vor der Bühne stört das aber nicht und feiert die Band trotzdem nach allen Regeln der Kunst ab. Optisch wird die Show von wechselnden Lichtfarben und Stroboskopeffekten unterstützt, was unter den gegebenen Umständen schon etwas her macht. Als Intro zu “Terra Satanica” hat die Band dann eine Donald-Trump-Rede am Start, was man durchaus als Seitenhieb auf eben jenen bewerten darf. Abgeschlossen wird der Gig dann mit dem überlangen Epos “Blut Samen Erde”, wofür Fjoergyn dann noch einmal ordentlich Applaus bekommen. 

Auf zum Endspurt. Als vorletzte Band des Festivals dürfen die Black-Metal-Veteranen von Eminenz ran. Dabei gehen die Jungs aus Sachsen klassisch zu Werke. Mit martialischem Bühnenoutfit und Corpsepaint entern sie die Bühne und werden frenetisch begrüßt. Sofort hagelt ein Gewitter aus treibenden Drums, giftigen Gitarrenriffs und bösem Gesang auf das Metal Embrace hernieder. Untermauert wird das Ganze von epischen Akkorden, die dem Auftritt eine ganz besondere melancholische Atmosphäre verleihen. So wechseln sich immer wieder schnelle, brettharte Passagen mit ruhigeren Passagen ab, was den Auftritt insgesamt abwechslungsreich und kurzweilig macht. Die Band selber macht eine gute Figur, ist auf der Bühne sehr aktiv und weiß es, die Zuschauer mitzureißen. Und am Ende des Gis steht fest, dass das Metal-Embrace-Publikum spätestens jetzt bereit ist für den Headliner.  

Und diesen Job übernimmt niemand geringeres als das holländische Todesmetal-Kommando von God Dethroned. Mit ihrem aktuellen Album “The World Ablaze” im Gepäck liefern die Jungs heute eine solide Show ab. Geradeaus, schnörkellos und ohne Kompromisse feuern die Niederländer einen Song nach dem anderen in die Menge. Sänger und Mastermind Henri Sattler kann mit einer guten Gesangsperformance punkten, Mike Feguson leistet sich an der Gitarre keine Schnitzer und Michiel van der Pflicht funktioniert am Schlagzeug wie ein Uhrwerk. Auch das Publikum gibt sich beim Headliner keine Blöße und zeigt noch einmal alles. Die Matten werden geschwungen und dem ein oder anderen dürfte am nächsten Tag wohl der Nacken schmerzen. Aber das ist alles egal. God Dethroned machen eine gute Show und bekommen dafür am Ende auch den verdienten Applaus bevor sie sich verabschieden. Ein würdiger Headliner.  

Fazit:

Und so geht das Metal Embrace 2018 zu Ende. Wie auch in den vergangenen Jahren hat es wieder unheimlich viel Spaß gemacht mit den Bands und Besuchern in Barleben zu feiern. Dieses Festival ist wirklich eine kleine Perle unter den Underground-Festivals. Mit kleinem Budget, dafür aber mit viel Engagement wird hier Jahr für Jahr eine kleine Oase für den Underground-Metal geschaffen. Und auch, wenn vielleicht nicht immer alles rund läuft und man hier auch keine großen Produktionen und fette Licht- oder Pyroshows erlebt, so hat das Metal Embrace doch seinen ganz besonderen Charme. Wir haben das Festival für das nächste Jahr auf jeden Fall schon wieder ins Auge gefasst. 

 

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Über Erle 121 Artikel
Bunt is das Dasein. Und Granatenstark. Volle Kanne Hoschi.

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