Figure of Six – Welcome to the Freak Show

Release: 26.05.2017
Genre: Modern Metal, Djent, Metalcore, Nu Metal
Label: Bleeding Nose Records
Homepage: http://www.figureofsixband.com/

Das Sixtett von “Figure of Six” melden sich nach sechsjähriger Albumpause mit ihrer Einladung zur “Freak Show” zurück. Was? Noch nie was von Figure of Six gehört? Keine Sorge, hatte ich vor kurzem auch noch nicht. Völlig zu Unrecht allerdings.

Zunächst handelt es sich bei den Italienern um eine der Bands, die nicht so recht in ein Genregewand gezwängt werden wollen. Wo aber bei manch anderen Künstlern lediglich ein undefinierbarer Musikpudding entsteht, treffen Figure of Six jedoch voll ins Schwarze. Gekonnt stimmig und zielsicher werden auf „Welcome to the Freak Show“ progressiv gehaltene Strophen von eingängigen Refrains abgelöst und das Ganze eingeleitet mit düster-atmosphärischen Intros. Dazwischen teils typische, brutale Metalcore-Riffs, die angereichert werden mit elektronischen Spielereien und Djent-Gitarren.

Über all dem schwebt bzw. vielmehr rast die Stimme des mittlerweile dritten Frontmanns der Band, Alessandro Merdi, der 2014 Enrico Scutti am Mikro ablöste. Nach gesprochenem, düsteratmosphärischem Zirkusklang-Intro im Titeltrack trägt sein Growlen, Schreien und Keifen im schnellen Wechsel donnernd die fast poppig gehaltenen Refrains vor sich her. Diese werden mit fast sanft anmutenden, aber sehr gekonnt eingesungenen Clear-Vocals ausgestattet, was dem Hörer eine kurze Gelegenheit zum Ausatmen lässt. Besonders die gegenübergestellten Metal- und Deathcorestrophen und die sanften Refrains verleihen „Welcome to the Freak Show“ seinen düsteren, sympathischen Flair. Aber auch wenn die Songs für sich alle unterschiedlich klingen und sich größte Mühe gegeben wurde für möglichst viel Abwechslung zu sorgen, bringt die sich wiederholende Songstruktur bereits nach einigen Hördurchgängen eine gewisse Tristesse mit sich. Ein Attribut, was auf die einzelnen Tracks selbst keineswegs zutrifft, sondern nur bei mehrmaligem Durchlauf der gesamten Platte als Eindruck aufflackert. Einzeln bietet jeder Titel einen eigenen Charme, fast chaotischen, technisch ausgereiften Aufbau und oft überraschend hereinbrechende Abwechslung in den Strophen. Eine davon bietet der Abschluss: Mit „But deliver us from Evil“ hat es tatsächlich noch eine Ballade auf das Album geschafft. Oder auch „The Tightrope Walker“, der plötzlich mit einem Dubstep-Part endet.

Wurde ich beim ersten Anblick des Videos zu „The Mirror´s Cage“ noch entfernt an Bullet for my Valentine erinnert, hat sich die Befürchtung schnell verflüchtigt. Öffentlich angepriesen wird das Album für Fans von Slipknot, Fear Factory und The Architects – vielleicht aufgrund der inhaltlichen Düsternis und dem Thema des menschlichen Abgrunds. Ich persönlich würde eher Anhängern von Suicide Silence, Bring me the Horizon und In Flames empfehlen, in die Platte man reinzuhören – was an sich aber jeder machen sollte, der sich als ein Anhänger härterer Klänge versteht.

P.S.: Leider hatte ich keine Möglichkeit, die alten Veröffentlichungen von Figure of Six kennenlernen zu dürfen. Sollte jemand diese Erfahrung bereits gemacht haben, kann er sich gerne mal über deren Klang äußern. Schaut man sich alte Youtube-Videos an, scheint mit „Welcome to the Freak Show“ ein richtiger Quantensprung in die richtige Richtung gelungen zu sein. Und der neue Sänger ist eine deutliche Bereicherung.

  1. Welcome to the Freak Show
  2. The Man in the Dark
  3. The Weak One
  4. Edward Mordrake
  5. The Tightrope Walker
  6. The Mirror’s Cage
  7. Monster
  8. The King and the Servant
  9. Clown
  10. But Deliver Us From Evil

 

Figure of Six – The Mirror´s Cage

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