Iron Fire – Beyond The Void VÖ: 08.03.2019, Crime Records, Power Metal

Iron Fire - Beyond The Void

Wenn es um Power Metal geht, scheiden sich die Geister. Von Plastik-Power-Metal mit Hang zum Pop bis hin zu erdigeren Vertretern, die schon fast eher zum klassischen Metal gehören, ist die Bandbreite groß. Gerade deshalb ist es so wichtig, hier konsequent zu unterscheiden. Zumindest für mich, der Power Metal lieber mit Power gespielt hört, als mit irgendwelchem Gedudel. Iron Fire gehören mit ihrem neunten Album “Beyond The Void”, ja wohin eigentlich?

Kurskorrektur?

Seit über 20 Jahren ist die 3-Mann-Combo aus Dänemark nun schon aktiv. Vormals bei Napalm Records unter Vertrag, ist man nun mit dem zweiten Album beim kleinen norwegischen Label Crime Records angekommen. Ich gebe zu, dass ich nicht jedes Album gehört habe, aber Longplayer wie “Revenge” oder “Voyage Of The Damned” rotieren doch gern in meinem Player. Es ist auch völlig egal, welches Album man herauspickt, es wird immer Qualität geboten. Iron Fire blieben ihrem Sound seit Jahren treu und experimentierten nur gelegentlich und dann im Rahmen ihres Stils.  “Beyond The Void”  macht hier eine entscheidende Ausnahme, das macht schon der Opener und Titelsong deutlich. Nach einem kurzen Intro geht’s gleich in die Vollen. “Beyond The Void” bietet tendenziell genügend Trademarks, die man von Iron Fire gewohnt ist. Ausdrucksstarker Gesang, kraftvolles Schlagzeug, melodische Gitarrenarbeit, hervorragender Refrain und eine knackige Produktion, der Plastik jedoch ein Fremdwort ist. Doch wie auch schon auf dem Vorgängeralbum, singt Martin Steene in einer insgesamt wesentlich tieferen Tonlage. Die Kurskorrektur, die Iron Fire auch durch ihr verändertes Logo nach dem Label-Wechsel vollzogen haben, wird dadurch mehr als deutlich.

Nach wie vor ein Highlight: Martin Steene’s Gesang

Ich gebe zu, das wichtigste Instrument ist für mich meist die Stimme des Sängers, gerade im Power Metal. Und Martin Steene schaffte es bisher immer, mich zu fesseln. Sein rauchiges, rockendes Organ besitzt ein herausragendes Timbre, das er einzusetzen weiß. Sowohl kraftvoll wie auch balladesk kann er alles. Die Jungs wissen das anscheinend ganz genau, denn der Gesang ist im Mix der Scheibe doch etwas mehr hervorgehoben. Besonders effektvoll kann er seine Stimme in “Judgement Day” einsetzen, hier wird ihm Dank zurückhaltenden Instrumenteneinsatzes mehr Raum gegeben. Insgesamt scheint jedoch die tolle epische Seite, die Martin den Songs oft verpasste, durch die veränderte Tonlage, fast gänzlich abhanden gekommen zu sein. Das finde ich sehr schade, denn irgendwie passte gerade dieser Stil hervorragend zur Stimmfarbe des Sängers und sorgte dafür, dass Iron Fire für mich besonders herausstachen.

Des Öfteren sind in den Songs Backing-Shouts zu hören, die ebenfalls nochmal eine besondere Note beisteuern. Die Band gibt sich jedenfalls reichlich Mühe, die Songs abwechslungsreich zu gestalten. So ist “Cold Chains Of The North” ein True-metallischer Song mit leicht epischer Schlagseite. “Bones And Gasoline” ist – treffenderweise – eher ein Rocker. Schnell können Iron Fire auch. Dieses wird im Speedster “To Hell And Back” deutlich. Und doch sind sie nicht mehr die Band vergangener Tage. Insgesamt weniger Soundspielereien und eine höhere Grundhärte geben “Beyond The Void” einen wesentlich veränderten Anstrich. Dieser sorgt auf Albumlänge leider dafür, dass bei mir erstens, weniger Hängen bleibt und zweites, die Band austauschbarer klingt.

Das Löffeln in der Suppe des Einheitsbreis bringt meist nichts Besseres

In dieser Form sind Iron Fire immer noch eine gute Power-Metal-Band, die einen angenehmen Härtegrad mitbringt, lassen mich jedoch auch ein wenig ratlos zurück. Einige Songs sind dann doch eher Mittelmaß und klingen zu glattgebügelt. Dabei können diese leider auch vom bisweilen tollen Sänger nicht gerettet werden. Das emotionale “Old Habits Die Hard” sowie das bereits genannte “Cold Chains Of The North” sind jedoch positiv hervorzuheben. Im Vergleich zum grandiosen 2012er Album “Voyage Of the Damned” fällt “Beyond The Void” für mich leider entscheidend ab, da ich den epischeren Touch damals sehr mochte und die Kurskorrektur so für mich nicht funktioniert. Wer auch immer hier entschieden hat von der faden Suppe des Einheitsbreis zu kosten, sollte das schleunigst lassen!

Trotzdem kann “Beyond The Void” jedem ans Herz gelegt werden, der auf harten Power Metal mit guten Melodien steht, denn schlecht geht auch anders. Freunde von Mystic Prophecy, Brainstorm und Co. werden bestimmt kurzfristig ihre Freude haben. Ach ja… und ein geiles Cover-Artwork gibt’s oben drauf, aber das ist am Ende nur ein schwacher Trost…

Iron Fire auf Facebook: https://www.facebook.com/ironfiredk/

Tracklist:

  1. Intro  (0:39)
  2. Beyond the Void  (4:02)
  3. Final Warning  (3:55)
  4. Cold Chains of the North  (3:39)
  5. Wrong Turn  (3:43)
  6. Bones and Gasoline  (4:53)
  7. Old Habits Die Hard  (3:51)
  8. Judgement Day  (4:33)
  9. To Hell and Back  (3:26)
  10. One More Bullet  (4:06)
  11. The Devils Path  (3:49)
  12. Out of Nowhere  (3:32)

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