Metal Force Attack Open Air 26.05.2019 - Postpark, Kamen

Flyer Metal Force Attack Open Air 2019

Ihr wollt Metal und das umsonst und draußen? Könnt´a haben. Das Metal Force Attack in Kamen bietet genau das. Ohne Schnörkel, ohne Schnickschnack ein volles Brett. Zeit, dieses Festival auch euch mal auf das Radar zu holen.

Von Osnabrück aus ist man in gut anderthalb Stunden in Kamen angekommen, und die Location ist wirklich gut gewählt. Gegenüber eines Jugendzentrums befindet sich eine große Freifläche mit angrenzendem Skatepark und für die Gemütlicheren ein Bocciafeld. Eine kleine Bühne, Merchstand, Bier und Burgerbude reicht – mehr braucht man nicht. Die Preise von 7€ für einen Cheese- oder Pulled Pork Burger gehen angesichts der Qualität und der Tatsache, dass es sich hier um frisch bereitetes Slowfood handelt, voll in Ordnung. Auch das Bier 0,33l für 3€ geht klar, zumal ein Teil der Einnahmen einem wohltätigen Zweck und den Helfern dieser Veranstaltung gespendet werden kann, wenn man auf den Becherpfand verzichtet.

Um 14:30 Uhr eröffnet der Poetry Slammer Micha-El Goehre offiziell das Festival. Seine teils sehr überspitzten und gewollt klischeehaften Ansichten über die Gesellschaft im allgemeinen und die Metalszene im speziellen triefen vor bitterböser Ironie, aber immer ist ein bisschen Wahrheit im Kern verborgen. Und natürlich trägt er auch den neusten Teil seines “Tagebuch eines Black-Metal-Fans” vor.

Ab 15:00 Uhr gibt es dann Musik auf die Ohren. Somewhere In Nowhere starten mit traditionellem Power Metal. Das Ganze ist sauber gespielt und recht eingängig, aber der letzte Schliff fehlt noch ein wenig, ansonsten kann man dies auch gut beim Skaten anhören, wie die Jungs mit ihren Boards nebenan auf dem Skatepark beweisen.

Während ältere Herrschaften gemütlich Boccia spielen, randalieren Futurephobia herrlich asozialen Rotz-Thrash durch die PA. Prollige Pornosonnenbrillen, Hawaiihemden und 80er ADIDAS-Traningsanzüge – ja so fällt man auf. Dass diese Band sich nicht so ganz ernst nimmt, macht den Spaß daran aus. Keifiger Gesang und ordentlich Druck, und wer mit “To The Dragon We Rise” einen Song über Deutschlands meistgehassten Internet-Assi Rainer “Drachenlord” Winkler schreibt und das ganze Infield zum kollektiven “Lülülü”-Singen bringt, hat mich schon gewonnen. T-Shirt ist gekauft. Zum Abschluss spielen die Dortmunder dann noch mit “Ruhrpott, Du Hurensohn” ein Anti – Heimatlied, aber nicht bevor sie den gerade angereisten Space Chaser den Song “Too Bad For Skating” widmen.

Danach wird es leider ein bisschen zu standardisiert. Technisch gesehen sind Demonpalm eine gute Band, die definitiv ihr Handwerk versteht, aber leider ist ihr Power Metal etwas zu sehr 08/15. Das alles hat man anderswo schon besser gehört. Punkten kann die Band damit, dass sie ein Paar Partyklopfer ins Publikum verteilen und so zumindest der Alkoholstrom nicht abreißt. Nach dem Gig werden dann noch drei T-Shirts mittels einer Zwille ins Infield geschossen, wobei sie es schaffen, gleich den ersten Schuss unter die Bühnendecke zu pfeffern.

Ayahuasca haben Probleme mit der Technik. Da sie ein bisschen Zusatzequipment mitbringen, dauert der Soundcheck leider viel zu lange. In der Zeit wird leider auch die Pausenmusik abgestellt, so dass es ziemlich still wird. Gut, wenn der Verfasser dieser Zeilen zufällig sein Kazoo in der Tasche hat und darauf die besten Hits der 80er, 90er und das Beste von heute trötet. Als die Band mit dem unaussprechlichen Namen dann endlich anfängt, sind sie schon 15 Minuten über der Zeit. Geboten wird eine interessante Mischung aus modernem harten Metal mit lateinamerikanischen Einflüssen und drei Gitarren. Zusätzlich zum Schlagzeug gibt eine Percussion den Takt an. Ich würde es spontan als Neuauflage des Nu Metal bezeichnen. Ihr Frontmann steht barfuß auf der Bühne und mimt den Besessenen. Laune macht die Musik, auch wenn es am Ende alles etwas eintönig wird. Dadurch, dass sie allerdings solange für den Soundcheck benötigten, müssen sie auch früher ihr Set beenden und können nicht mehr alle Stücke spielen. Trotzdem geile Show.

Mit den Thrashern von Space Chaser aus Berlin steht der erste große Name auf der Bühne. Sänger Siegfried Rudzynski, der aussieht als hätte man die Frisur von Grave Digger`s Chris Boltendahl auf den Kopf von Klaus Kinski getackert, ist sparsam mit den Ansagen, dafür gut bei Stimme. An manchen Stellen erinnert er mich an Overkill`s Bobby Elsworth.  Eröffnet wird mit “Loaded”, dazwischen gibt’s “Atom Chrusher” und zum Abschluss “Metro Massacre”. Super Set und das umsonst.

Angesichts der heutigen Temperaturen haben die Slam Deather von Stillbirth wohl das beste Bühnenoutfit. In gelbgrünen mit tropischem Palmendruck und Bandlogo bedruckten Badehosen bringen sie Bewegung ins Mosh-Volk. Dabei steigt dann auch schon mal der Gitarrist von der Bühne in den Moshpit und führt eine Circle-Pit-Polonäse an. Kann man so machen. Und was ihr Frontmann mit seiner Stimme anstellt, ist unmenschlich. Von abgrundtiefen Growls bis hin zu Schweinegequieke ist alles dabei. Mit “Schmand An Der Hand” gibt’s dann auch die Kifferhymne, die mein Nachbar mit dem fetten Dübel in der Hand wohl schon das gesamte Konzert über erwartet hat.

Torian kennen einige vielleicht noch von unserer ersten Heavy Stage Night. Mit “Phantoms Of The Past” von ihrer EP eröffnen sie die 55 min Power-Metal-Performance. Dass ihr Frontmann Probleme mit seinem In-Ear-Monitor hat, der nicht richtig halten will, stört den Ablauf der Show zwar nicht, hat aber irgendwie Unterhaltungswert. “Saint Of The Fallen” und Evil Vs. Evil” sind so gnadenlos episch und kämpferisch, dass man fragen mag: Können die Jungs eigentlich schlechte Musik schreiben? Nach “Glorious Downfall” ist offiziell Schluss, aber für eine Zugabe in Form von “Torian” kommen sie dann doch nochmal zurück.

Es ist inzwischen dunkel, und das ist auch gut so, denn der Headliner Desaster knüppelt nun seinen Black/Thrash ins Volk. Das ihr Bassist mittlerweile optisch auch bei Nifelheim spielen könnte, weil er mit seiner Kombination aus Hardcore Bondage und sehr frühen Slayer-Gedächtnisnagelbändern etwas dick aufträgt, täuscht nicht darüber hinweg, dass die Band, die ihr 30jähriges Bestehen feiert und sich dafür in Form von “Black Celebration” selber ein Geburtstagsständchen spielt, einfach nur qualitativ hochwertig ist. Und apropos Slayer, als Rausschmeißer deren “Black Magic” zu spielen, ist auch keine so schlechte Idee.

Somit endet der Samstagabend. Die Lebenszeit, die ich hier verloren habe, war gut investiert. Metal, Bier, Sonne und das umsonst. Was willste mehr?

Bericht: Inquisitor
Fotos: Dark Angel

« 1 von 3 »

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.