Rock Am Härtsfeldsee 24.06. - 25.06.22, Dischingen

Auch unser geliebtes Pressluftzelt kehrt nach 2 Jahren Corona Pause wieder zurück. Zwar sind auch hier auf dem Rock am Härtsfeldsee maßgeblich die Auswirkungen der Pandemie zu spüren, aber zumindest können wir wieder Festivals besuchen.

Rock Am Härtsfeldsee 24.06. - 25.06.22, Dischingen

Rock am Härtsfeldsee – Interviewtermin

Nach einer 5 1/2-stündigen Autofahrt steht aber heute erstmal ein Interviewtermin an. Und zwar für uns selber. Denn, dass wir hier seit 2009 (ich selber bin erst seit 2011 dabei) jedes Jahr über 500 Kilometer runterballern, scheint mächtig Eindruck zu machen. Im Verlaufe dieses Interviews lasse ich in Bezug auf ein örtliches Taxiunternehmen, das uns von unserer Unterkunft zum Festivalgelände fährt, den Satz “Da können wir uns gepflegt die Batterie abklemmen” fallen. Merkt euch das – wird später im Text noch mal wichtig.

Freitag, 24.06.22

Beim Betreten des Geländes werden zwei Sachen klar. Erstens ist es scheiße noch eins matschig vom vorangegangenen Regenschauer und zweitens hat das Feld an Verkaufsständen merklich abgenommen. Auch hier scheinen viele Händler pandemiebedingt das Handtuch geschmissen zu haben. Dafür hat man aber der Bühne ein optisches Upgrade verschafft. Über dem Backdrop der Bands prangt nun der übergroße Schriftzug des Festivals. Dieser ist nicht nur schlicht beleuchtet, sondern wird auch farblich in die Lichtshows der Bands mit eingebunden. Das gibt dem Ganzen einen Charme irgendwo zwischen altem Rock Palast und Nightclub.

Um 17:30 Uhr eröffnen Mission in Black, das Festival. Sie zocken eine Mischung aus Melodic Thrash Metal mit Death-Einflüssen und Power Metal. Gitarrist Daniel Tschoepe hat an diesem Tag Geburtstag, deswegen alles Gute nachträglich. Die Dame, die so eindrucksvoll ins Mikro grunzt und gerne auch mal in den klaren Gesang wechselt, heißt Steffi Stuber und könnte einigen von ihrem Auftritt bei -The Voice Of Germany- bekannt sein, bei dem sie mit dem Lamb Of God Track “Ghost Walking” auch dem verstockten Mainstream zeigen konnte, dass Mädchen auch Extreme Metal können. Sie wechselt in den Songs oft von guttural in clear Vocals während die Instrumentalfraktion Riffs runterzockt, die mir an einigen Stellen sogar sehr bekannt vorkommen. So habe ich bei einem der Songs leichte Hatebreed Vibes vernommen, da ich meine, ganz klar das Riff aus “Destroy Everything” heraus zu hören.

Die Label-Kollegen von Garagedays lassen gleich zu Beginn ihres Sets die Herzen der Wrestling Fans höher schlagen, als sie das Intro Motörheads “The Game” laufen lassen. Selbides war jahrelang die Entrance-Musik des inzwischen nicht mehr aktiven Triple H (Nachzulesen in unserer Kolumne Wrestling Is Metal). Vielleicht hätten sie aber die Position mit Mission in Black tauschen sollen. Denn nach deren Auftritt wirkt der dargebotene Garagen- und Hardrock doch etwas bieder. Zum cool Rumstehen und Biertrinken taugt es aber allemal und das Publikum feiert es ebenfalls. Dennoch hätten sie sich vielleicht besser als Opener gemacht.

Tony Kakko, Sänger der Finnischen Power Metaller Sonata Arctica, erklärt uns, dass dieses das wohl am schwersten zu erreichende Festival aller Zeiten ist. Damit spielt er darauf an, dass die Jungs eigentlich schon 2019 auf dem Billing standen, wegen eines Defektes ihres Flugzeuges aber nicht anreisen konnten. Und dann wurde das Festival natürlich wegen der bekannten Umstände gleich zweimal verschoben wurde. Jetzt sind sie aber hier und zelebrieren ihren Set förmlich. Bereits bei früheren Auftritten der Band ist mir aufgefallen, wie schön die Lichtübergänge ihrer Show eigentlich sind. Der Sound ist knackig und mit “Paid In Full”, einem absoluten Lieblingsstück der Massen, wird noch mal ordentlich Fanservice betrieben.

Feuerschwanz galten lange als die J.B.O. der Mittelalterszene. Zwar haben sie dieses Stigma immer noch nicht ganz überwunden, aber zumindest haben sie in letzter Zeit auch mit ihrem aktuellen Album “Memento Mori” ein bisschen weniger klamaukiges Liedgut geschrieben. Was nicht heißen soll, dass sich das Material nicht zum Partymachen anbietet. Natürlich werden mit “Memento Mori” auch eigene Kompositionen gespielt. Doch als “Des Hauptmanns geiler Haufen” mit “Dragostea Din Tei”, der moldawischen Boygroup O Zone und im späteren Verlauf noch Manowars “Warriors Of The World” zwei Cover rausgehauen werden, ist selbst bei mir das Eis gebrochen. Ja doch, kann man machen.

Was man auch machen kann, ist sich ein neues Bier zu holen. Denn die Bierbecher-Runningorder sagt als Headliner Saltatio Mortis an. Ebenfalls eine Band, die nicht zu meinen Hörgewohnheiten gehört und nach 2013 und 2016 nun schon ihren dritten Headliner Gig absolviert. Darum nachtanken. Mit dem richtigen Pegel sind die Mittelalter-Rocker allerdings gar nicht mal so schlecht. Und auch die können covern. Da sie als Teil des Joint Ventures von Electric Callboy eine eigene Version von “Hypa Hypa” aufweisen können, ballern sie die auch gleich mal raus. Unterm Strich soweit ganz gut.

Samstag, 25.06.22

Unser Interview vom Vortag wurde veröffentlicht. Mit Foto und allem. –Gepflegt Die Batterie abklemmen– lautet die Headline. Das Ganze spricht sich in der kleinen Gemeinde rum und beim Mittagessen auf Burg Katzenstein weiß so ziemlich jeder, von wem das Zitat ist. Legendenstatus erreicht.

Musikalisch geht es heute mit Spitfire aus München los. Klassischer Hardrock perfekt zum Reinkommen und ‘nen Whisky Cola vernaschen.

Lacrimas Profundere drehen dann ein wenig an der Kuriositätenschraube. Sänger Julian Larre scheint die Begabung zu besitzen, sich von Null auf 100 in unter einer Sekunde hochzupuschen. Böse Zungen könnten behaupten, der Junge hat was genommen, will ich ihm allerdings nicht unterstellen. Nicht nur, dass er meist auf den vorgelagerten Boxen vor der Bühne oder auf den Wellenbrechern agiert. Zur Mitte des Sets zettelt er auch einen amtlichen Moshpit mit sich selber im Mittelpunkt an. Und obwohl die Gothic Metaller eigentlich aus dem bayrischen Waging Am See kommen, werden sämtliche Ansagen auf Englisch durchgezogen.

Equilibrium haben es danach etwas schwer. Die Band, die irgendwann mal mit Pagan Metal angefangen hat und jetzt irgendwo anders zu verorten ist, (Teilweise klingen einige ihrer Riffs sehr amerikanisch und Wikipedia stellt sie in die Symphonic- und Power-Metal-Ecke) hat mit Robse zwar einen charismatischen Frontmann, aber nachdem was Lacrimas Profundere da gerade veranstaltet haben, wirkt die Band dann doch etwas gemütlicher. Dem paganistischen Bühnenbild, bestehend aus zwei weißen Bäumen, zum Trotz haut die Band mal eben das The Hooters Cover “Jonny B” raus und mit “Blut Im Auge” dann auch ihren Langzeitklassiker. Am Ende ist der Auftritt dennoch als Erfolg zu verbuchen. Aber ganz ehrlich, nach der hyperaktiven Band vor ihnen, hätte jede andere Band es auch schwer gehabt.

Betontod schaffen es dagegen gleich von Sekunde Eins an, der eigentliche Headliner des Tages zu sein. Das liegt auch daran, dass die Punks schnell begreifen, dass politische Themen heute fehl am Platze sind und die Menge einfach nur abgehen will. Deswegen ist auch das Set mit Songs wie “Keine Popsongs”, “Glück Auf (wir müssen aufhörn weniger zu trinken)” oder “Hömmasammawommanomma (‘n Biertrinken gehn)” sehr auf Party ausgelegt. Lediglich mit “Traum Von Freiheit” kommt ein ansatzweise politisches Stück im Set vor, welches aber eben auch einer ihrer Überhits ist.

“Aufhörn weniger zu trinken”. Ok, einmal an die Zapfsäule und dann zurück an die Bühne. Zum Auftritt von Accept kann ich eigentlich schon auf mein Rock Hard Review verweisen. Viel geändert im Set hat sich nicht. Weiterhin ist mir schleierhaft, warum die Band einen dritten Gitarristen braucht, der auch bei diesem Gig nicht wirklich zu hören ist und auf Grund der kleinen Bühnen und des starken Gegenlichtes auf seinem Podest neben dem Drumriser auch fast nicht zu sehen ist.

Anders als beim Rock Hard schellen zum Eröffnungsstück “Zombie Apokalypse” allerdings nicht gleich die Smartphones in die Luft. Entweder hat man sich hier mit dem Text befasst oder man hat noch Bier in der Hand. Schlagzeuger Christopher Williams spielt heute auch für Hörgeschädigte. Seine Bassdrums haben so viel Punch, dass er dir problemlos die Bronchen freitrommelt, selbst wenn du vorher keine Verschleimung hattest. Natürlich ist der Set etwas vorhersehbar. “Balls To The Wall”, “Fast As A Shark”, “Metal Heart” oder “Teutonic Terror”. Noch etwas “Princes Of The Dawn” – fertig. Aber ganz ehrlich, das will man doch auch. So bleibt am Ende zu sagen, dass es ein guter, solider, wenn auch erwartbarer Set war, aber ein würdiger Abschluss des Wochenendes.

Wie es fürs nächste Jahr aussieht, steht noch nicht fest. Allerdings ließen einige Aussagen darauf schließen, dass bis mindestens 2025 das Festival weitergehen wird. Also bis nächstes Jahr!

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