Festivalbericht Dong Open Air 2019 11.07. - 13.07.2019, Halde Norddeutschland (Dongberg), Neukirchen-Vluyn

Dong Open Air

“Holiday in the Sun”. Unter diesem Motto fand am zweiten Juliwochenende das nunmehr 19te Dong Open Air auf der Halde Norddeutschland (Dongberg) in Neukirchen-Vluyn statt. Das Motto passte aufgrund des durchwachsenen Wetters zwar nicht so ganz, dennoch durften sich die rund 3500 Dong Open Air Besucher doch auf ein heißes Wochenende mit tollem Programm und coolen Bands freuen.

Donnerstag

Bevor die Party auf dem Dongberg jedoch beginnen kann, muss zunächst der Aufstieg auf den Hügel bewältigt werden. Mit Zelt, Schlafsack und Co im Gepäck stellt sich das gar nicht so einfach dar. Das Auto bleibt am Fuße der Halde stehen. Dafür schlängelt sich ein Fußweg in Serpentinen und mit einiger Steigung den Berg hinauf.

Wenn man also, so wie ich, die Jogginghose nur zur Sportschau trägt, ist der Weg auf den Berg schon vergleichbar mit dem Vorhof zur Hölle. Ist man allerdings erst einmal oben angekommen, taucht man sogleich in die Festivalatmosphäre ein. Zudem wird man noch mit einem atemberaubenden Ausblick belohnt. Witzig ist auch zu sehen, wie einfallsreich die Leute werden, um ihren Kram auf den Berg zu bekommen. Vom kleinen Bollerwagen bis hin zum Rasenmähertraktor ist so manches interessante Transportvehikel zu sehen.

Viel Zeit zum Verschnaufen bleibt allerdings nicht, denn die ersten Bands stehen schon in den Startlöchern. Also schnell Bändchen geholt, Camp aufgebaut und kurz mit den Nachbarn bekannt gemacht. Leider hat der Aufstieg doch mehr Zeit in Anspruch genommen, als angenommen, weswegen ich erst zur zweiten Band Source Of Rage vor der Bühne bin.

Source Of Rage ist eine der Bands, die am diesjährigen Wacken Metal Battle teilnehmen und es bis ins Deutschlandfinale geschafft haben. Mit ihrem Melodic Groove Metal kommt die Truppe aus der Nähe von Hildesheim beim Publikum gut an und kann das Metal Battle am Ende auch für sich entscheiden. Das liegt neben einer insgesamt soliden musikalischen Leistung auch am sympathischen Frontmann Marko Krause, der irgendwie ein wenig an den Heaven Shall Burn-Sänger Marcus Bischoff erinnert und das Publikum immer wieder zum Mitmachen anfeuert. Funfact am Rande ist ein Pärchen, das während des Gigs doch tatsächlich einen flotten Swing tanzt.

Bei AngelInc. ist die Bühne in tiefrotes Licht getaucht, als die Truppe aus Duisburg die Bühne entert. Mit wuchtigen Riffs legt die Band sofort fulminant los und kann die leider noch recht wenigen Besucher mit ihrer Mischung aus Melodic Death Metal, Industrial und Groove Metal überzeugen. Sänger Marco Grasshoff macht ordentlich Alarm auf der Bühne und die Fans stimmen „Wohoho Gesänge an“. Da kommt die „Disco Party“ bestens an und wird klatschend und springend abgefeiert. Die Stimmung passt also schon einmal.

Elvellon können dann ihre gute Leistung vom Rockharz Open Air noch einmal bestätigen. Das Zelt ist bis zum Mischer gut gefüllt und den Zuschauern drückt ein glasklarer bombastischer Sound entgegen. Auch das Stageacting lässt nichts zu wünschen übrig. Sängerin Nele Messerschmitt ist gut bei Stimme und bestens aufgelegt und die übrigen Bandmitglieder flitzen über die Bühne und posen immer wieder zusammen. Auch das Publikum lässt sich von der Performance auf der Bühne begeistern und bei „Silence From The Deep“ gar zu lauten „Wohoho..-Gesängen“ hinreißen.

Freunde von speedigem Thrash Metal kommen dann bei Wulfpäck voll auf ihre Kosten. Die Jungs aus Coburg feuern ein wahres Thrash-Gewitter ab und zeigen sich ziemlich agil.  Vor der Bühne werden derweil mächtig die Matten geschüttelt und dem Circle Pit gefrönt. Grinsen muss ich allerdings beim Die Kassierer-T-Shirt von Frontmann Justin Entwistle. Humor und Thrash geht also durchaus zusammen. Weiter hinten wird zwar mehr geschaut als gemosht, dafür haben die Die-Hard Fans vorne aber ordentlich Spaß.

Bei dem, was Septicflesh dann an Show auffahren, wird schon einmal deutlich, dass wir uns dem Headliner nähern. Nach dem düsteren Intro geht es sofort ab, und die Griechen feuern ihren technischen Death Metal mit Gothic Touch in die Menge. Am vorderen Bühnenrand steigen Rauchsäulen auf und auch die ersten Crowdsurfer machen sich auf den Weg nach vorne.

Das letzte Mal, dass ich die Jungs gesehen habe, war im Vorprogramm von Amon Amarth auf ihrer Surtur Rising Tour im Jahr 2011. Damals konnte mich die Band nicht begeistern. Heute sieht das jedoch ganz anders aus. Mit einer Härte, die an Behemoth oder Cradle Of Filth erinnert und einer Dimmu Borgir ähnlichen Melodiösität kommen die Songs verdammt gut an. Und das wird vom Publikum auch entsprechend honoriert. Selbst hinter dem Mischpult werden noch die Fäuste in die Höhe gestreckt. Dazu heizt Sänger Spiros Antoniou die Leute immer wieder zu „Hey,Hey“-Rufen an und scheint dabei mächtig Spaß zu haben. Toller Gig.

Bei Battle Beast ist das Zelt dann endgültig voll. Die Band wird begeistert und jubelnd empfangen. Schnell entwickelt sich ein kleiner Mosphit und die Zahl der Crowdsurfer nimmt merklich zu. An dieser Stelle ein großes Lob an die Security im Graben, die stets den Überblick behält und ihre Sache sehr ordentlich macht. Auch die Band ist bestens drauf und kann bei gutem Sound und stimmigem Licht auf der ganzen Linie abräumen.

Optisches Highlight ist der etwas eigenwillige Hörnerkopfschmuck von Sängerin Noora Louhimo, der die charismatische Frontfrau ziemlich martialisch rüberkommen lässt. Da passen Songs wir „Familiar Hell“ und der Klassiker „Black Ninja“ natürlich nur zu gut. Beide Songs werden von den Fans nach allen Regeln der Kunst abgefeiert.

Nach dem furiosen Beginn wird es dann ziemlich poppig, denn die Band legt ihren Fokus auf das aktuelle Album „No More Hollywood Endings“. Den Fans scheint es trotzdem zu gefallen und am Ende bekommen die Finnen dann auch noch die Kurve und spielen mit „King For A Day“ und „Beyond The Burning Skies“ zwei Songs, die noch gut abgehen. Sogar zu Scherzen ist die Band aufgelegt. So witzeln sie darüber, dass sie ja Finnlands führende Viking Metal Band seien und spielen als Intro zu „Bastard Son Of Odin“ den Amon Amarth-Brecher „Pursuit Of Vikings“ an. Insgesamt ein gelungener Auftritt allerdings mit Schwächen im Mittelteil.

Zum Abschluss des Festivaltages gibt es mit Kataklysm noch eine Runde „Northern Hyperblast“. Die frankokanadische Death-Metal-Fraktion spielt heute auf dem Dong Open Air ihren einzigen Festivalgig in Deutschland in diesem Jahr, was für ein kleines Festival wie das Dong Open Air schon beachtenswert ist. Und das lässt Sänger Maurizio Iacono auch nicht unkommentiert. O-Ton: „We could have played Wacken, we could have played With Full Force or whatever, but we chose the Dong Open Air”. Das wird vom Publikum natürlich mit reichlich Jubel und Applaus belohnt.

Insgesamt ist der Frontmann heute gut drauf und redselig. So witzelt er über Steel Panther oder schmückt die Ansagen zu den Stücken etwas aus. Die Setlist lässt keine Wünsche übrig und beinhaltet mit Songs wie „As I Slither“, „The Serpent’s Tongue“ oder dem derbe stampfenden „Black Sheep“ jede Menge Mosh- und Circle Pit Potential. „Taking The World By Storm“, zu dem haufenweise Crowdsurfer zu sehen sind, wird für Kataklysm dann zum wahren Siegeszug. Und zur Ansage von „Crippled And Broken“ holt sich die Band kurzerhand eine der eben nach vorne gesegelten Crowdsurferinnen auf die Bühne. Das ist Fannähe pur.

Damit geht der erste, sehr gelungene Festivaltag zu Ende und klingt mit einer gemütlichen Runde am Camp aus.

Dong Open Air 2019 – Die Fotos vom Donnerstag

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Freitag

Der Freitag beginnt mit Hardrock in Form von der Band Snakebite. Die Band aus Essen gibt es seit 2012 und hat dem Anschein nach schon eine ganz ordentliche Fanbase. Auf jeden Fall ist es zu so früher Stunde schon ganz gut gefüllt. Bis etwa zum Mischpult stehen die Leute. Dabei ist die Stimmung richtig gut. Es werden die Hände die Luft gestreckt und die Band mit „Hey Hey“-Rufen angefeuert. Auch den Aufrufen zum Mitsingen kommt das Publikum nur allzu gerne nach. Am Ende stellen die Jungs fest, dass sie so gut in der Zeit sind, dass sie sogar noch Zeit für eine Zugabe haben. Alles in allem ein feiner Gig, der einem die Müdigkeit aus den Knochen treibt.

Victim haben es mit ihrem schnörkellosen und straigthem Bay Area Thrash Metal danach natürlich schwer. Dennoch liefert die Truppe einen couragierten Auftritt, auch wenn vor der Bühne nicht allzu viel los ist. Mit einer Attitüde, die ein wenig an James Hetfield zu besten Zeiten erinnert, zockt Sänger und Gitarrist J.J. ein extrem tightes Thrashbrett runter. Vor der Bühne werden indes hier und da die Köpfe geschüttelt und ein erster zaghafter Circle Pit angezettelt. Ein toller Auftritt, der mehr Publikum verdient gehabt hätte.

Bei Craving dauert es dann einen Augenblick, bis die Leute wirklich auf die komplexe Mischung aus Death-, Black-, Pagan- und Folkmetal anspringen. Nachdem die Musik aber einmal gezündet hat, füllt es sich merklich vor der Bühne und die Stimmung steigt. Sänger Ivan Chertov begrüßt die Anwesenden und bekommt hunderte Pommesgabeln entgegengestreckt. Es sieht so aus, als seien die Dong Open Air Besucher zum Feiern aufgelegt. So wird auch „Olga“ von den Fans lautstark mitgesungen. Außerdem lernen die Besucher, dass man einen Kater am besten mit einem Circle Pit bekämpft und bei Craving unbedingt so laut schreiben muss, wie abends zuvor bei Kataklysm.

Insgesamt liefern die Oldenburger eine extrem kurzweilige Show ab, die mit „Wielder Of Storms“ und dem intensiven „Wenn Der Wind Sich Dreht“ zum Ende noch zwei echte Knaller beinhaltet. So ist es auch kein Wunder, dass die Jungs beim obligatorischen Gruppenfoto grinsen wie die Honigkuchenpferde.

Deathcode Society schießen dann in Bezug auf ihre Verkleidung echt den Vogel ab. Die mittelalterlich anmutenden Roben sind ja noch in Ordnung. Die Pestmasken der Gitarristen und des Bassisten sind allerdings echt der Oberhammer. Irgendwie passt die Verkleidung aber ganz gut zu der düster apokalyptischen musikalischen Melange. So zocken sich die Jungs aus Südfrankreich mit ihrem symphonischen Black Metal solide aber ohne wirkliche Höhepunkte durch den Gig.

Nach so viel Musik wird es dann höchste Zeit, das Plateau des Dongberges einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Zelte und Pavillons verteilen sich mehr oder weniger geordnet über die komplette Fläche vor dem Festivalzelt. Überall ist die Stimmung ausgelassen und friedlich. Außerdem fällt auf, dass es in den Camps, verglichen mit anderen Festivals, ziemlich sauber und aufgeräumt aussieht. Einige wenige Ausnahmen bestätigen zwar leider auch hier die Regel, aber insgesamt sieht es richtig ordentlich aus. Wahrlich atemberaubend ist zudem die Aussicht, die man auf das umliegende Ruhrgebiet hat. Ganz besonders vom Hallenhaus, der so genannten „Skylounge“, kann man gemütlich bei einem Kaltgetränk die Aussicht genießen.

Zur Piratenband Storm Seeker finde ich mich dann wieder vor der Bühne ein. Mit E-Cello, Flöte und Drehleier heizen die Musiker den Zuschauern in bester Freibeutermanier ordentlich ein. Das Zelt ist fast so voll, wie bei den Headlinern, und die Stimmung ist ausgelassen. Es wird geschunkelt, gesprungen und gesungen. Auch das kleine Spielchen, bei dem die Menge in zwei Hälften geteilt wird und die eine Hälfte „Hey“ singen muss, während die anderen klatschen, funktioniert nach anfänglichen Schwierigkeiten ziemlich gut. Richtig ab geht die Piratenparty Teil eins dann noch einmal beim abschließenden „Chop The Head Off“.

„We Come in Peace“, hört man John Connor zu Beginn des Dog Eat Dog-Auftritts ins Mikro sagen. Dafür bekommt der bestens durchgestylte Frontmann der Crossover-Haudegen schon jetzt mächtig Beifall von seinen Fans. Wie er weiter verrät, ist die Band wohl letzte Nacht von einem Gig aus der Ukraine gekommen und hat jetzt tierisch Bock auf eine fette neunziger Party.

Das kommt auch beim Publikum super an, und so werden Klassiker wie „In The Doghouse“ oder „Pull The Finger“ freudig abgefeiert. Auch das zwischen den Songs eingespielte „Insane In The Membrane“ von Cypress Hill sorgt vor der Bühne für Erheiterung. Insgesamt ist die Stimmung bestens und auch die Band gibt sich keine Blöße und liefert eine tolle Show ab. Absolutes Highlight ist aber erwartungsgemäß der größte Dog Eat Dog-Hit „No Fronts“. Da geht es noch einmal megamäßig ab.

Zusätzlich Sympathiepunkte sammelt Sänger John Connor im Übrigen nach dem Gig als er sich freimütig mit Fans auf dem Gelände ablichten lässt. Einzige Regel: „No kisses and don’t touch my hair“.

Mit Insomnium kommt dann ein echter musikalischer Leckerbissen auf die Bühne. Die Finnen gehören wohl zu dem Besten, was die melodische Elchtod-Szene zu bieten hat. Und auch heute kann die Band auf ganzer Linie überzeugen. Und das obwohl man den Sandwich Slot zwischen den zwei Partybands Dog Eat Dog und Alestorm hat. Bei weitestgehend gutem Sound und atmosphärischem blaurotem Licht entwickelt sich eine ganz besondere Stimmung im Zelt. Die Leute zeigen die Pommesgabeln und machen auch bei den „Hey, Hey“-Rufen enthusiastisch mit.

Songtechnisch verlässt man sich weitestgehend auf das 2009er Machwerk „Across The Dark“ und hat mit „Into The Woods“ noch einen Song bereit, den die Band seit der Albumveröffentlichung vor zehn Jahren nicht mehr gespielt hat. Und natürlich müssen die Fans auch nicht auf Gassenhauer wie „Ephemeral“ und das überragende „While We Sleep“ verzichten. Bei letzterem machen sich dann noch einmal unzählige Crowdsurfer auf den Weg in Richtung Bühne und sorgen so für einen denkwürdigen Abschluss dieses genialen Konzertes.

Zum Glück bleibt das angekündigte Gewitter aus. Dafür veranstalten die Schotten von Alestorm auf dem Dong Open Air ein mächtig schepperndes Biergewitter. Das Zelt ist rappelvoll und die Stimmung ausgelassen. Alle wollen mit Christopher Bowes und seiner Band eine fette Piratenparty feiern.

Und dafür sind die Schotten natürlich zu haben. Während bei „Nancy The Tavern Wench“ noch bierseelig geschunkelt wird und beim Taio Cruz Cover „Hangover“ schon einmal dem drohenden Kater am nächsten Morgen gedacht wird, brechen spätestens bei „Mexico“ alle Dämme. Es wird geklatscht, gesungen und gesprungen. Dazu werden Massen an Crowdsurfern nach vorne gereicht. Beim lautstark mitgesungenen „Drink“ darf dann auch die riesige Gummiente von der Bühnendeko einen Ausflug über die Menge machen.

Alestorm mögen vielleicht nicht jedermanns Sache sein. Heute jedoch machen sie genau das, was von ihnen verlangt wird; eine ausgelassene Piratenparty mit viel Blödelei und ordentlich Bewegung. Abgeschlossen wird der unterhaltsame Gig vom lustigen „Fucked With An Anchor“, welches dem ein oder anderen noch bis zu seinem Camp im Ohr bleiben wird.

Und wer jetzt noch nicht genug hat, der lässt sich bei der Metal Disco noch ein wenig von DJ Bene die Ohren durchpusten. Für alle anderen gibt’s das Abschlussbierchen am Camp.

Dong Open Air 2019 – Die Fotos vom Freitag

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Samstag

Da ich bereits am heutigen Abend nach der letzten Band den Heimweg antreten muss, beginnt der Samstag für mich mit dem Packen. Also wird alles wieder fein säuberlich auf den Bollerwagen gepackt und den Berg hinuntergerollt. Das geht natürlich deutlich einfacher, als der Weg den Berg hinauf.

Dennoch bin ich leider erst zur dritten Band Silius wieder zurück auf dem Festivalgelände. Dort warten die Österreicher aber auch schon mit ihrem groovigen Thrash Metal. Wie Sänger Matthias Thurner verlauten lässt, haben sich die 11 Stunden Fahrt schon jetzt gelohnt, da er noch nie ein so gemütliches Festival wie das Dong Open Air gesehen habe.

Musikalisch geben die Jungs mächtig Gas und überzeugen mit knackigen Soli, aggressiven Vocals und gewaltigen Riffgewittern. Zwar dauert es so drei bis vier Songs bis die gut 200 Zuschauer warm werden, dann geht es jedoch auch vor der Bühne gut ab, und es wird geklatscht und gesprungen. Und natürlich bekommen Silius am Ende auch den wohlverdienten Applaus, sodass die Österreicher zufrieden den Weg in die Heimat antreten können.

Weiter geht es mit Blessed Hellride aus Trier. Unter dem Motto Booze’n’Roll liefert die Truppe rotzigen Heavy Rock mit Südstaaten-Einschlag ab. Da bauen sich eingängige Rhythmen und schwer daherstampfende Gitarrenwände auf, die nur durch die markant kratzige Stimme von Sänger Tiny Fuel durchbrochen werden. Auch optisch gibt man sich mit Bikerkutte und entsprechendem Backdrop als hartgesottene Outlaws.

Vor der Bühne hat es sich bis etwa zum Mischer gut gefüllt, und es werden zustimmend die Köpfe geschüttelt. Hin und wieder wird mitgeklatscht oder die Faust gen Himmel gestreckt. Die meisten Zuschauer genießen den Gig aber wohl eher bei einem schönen Whisky Cola.

Brutal technischen Death Metal zelebrieren dann Hideous Divinity aus Rom. Mit pfeilschnellen Riffs, Doublebass-Gewitter und einem zwischen growlen und shouten angesiedeltem Gesang mischen die Italiener das Festivalzelt mächtig auf. Auch die Interaktion mit dem Publikum stimmt. Bereits beim dritten Song findet man Sänger Enrico Di Lorenzo im Fotograben an der Absperrung wieder, wie er sich mit seinen Fans abklatscht.

Stimmungstechnisch hält es sich allerdings bis auf ein wenig moshen und einen kleinen Circle Pit in Grenzen. Technical Death Metal ist aber nun auch nicht jedermanns Sache.

Dafür scheinen heute die Inder von Bloodywood etwas für jedermann zu sein. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die Truppe aus Neu Delhi einen Exotenbonus hat oder ob die Band tatsächlich bereits so bekannt ist. Auf jeden Fall ist das Zelt gerappelt voll und schon beim Soundcheck wird das ins Mikro gebrüllte „Check“ von den Fans laut mitgeschrien.

Und schnell zeigt sich auch, dass es sich gelohnt hat für Bloodywood vor die Bühne zu kommen. Das Septett schmettert ihre musikalische Mischung aus Rock, Hip-Hop, indischen Elementen und Metal mit einer derartigen Energie in die Menge, dass es eine wahre Wonne ist, der Band zuzuschauen. Dazu kommt die Truppe auch noch extrem sympathisch rüber und versteht es auch, über kleinere technische Schwierigkeiten gekonnt hinwegzugehen.

Eine ähnliche Energie und einen ähnlichen Spirit hat man wohl zuletzt bei den jungen Sepultura gesehen. Zum absoluten Höhepunkt wird diese Energie beim Song „Ari, Ari“ getrieben als fast das ganze Zelt wild springt und mitsingt. Nach dem letzten Song skandiert das Publikum laut: „We Want More“ und bekommt dann auch die wohlverdiente Zugabe, die noch einmal richtig hart abgefeiert wird. Das ist mal ein Newcomer, von dem man in Zukunft sicher noch hören wird.

In den Staub schicken uns dann Dust Bolt aus Landsberg am Lech. Die Band ist voller Energie und pfeffert ihren straighten und aggressiven Thrash Metal in die Menge. Und auch wenn es längst nicht so voll ist, wie zuvor bei Bloodywood, geht es vor der Bühne doch heiß her.

Für einen Fan ist es anscheinend zu heftig, denn plötzlich unterbricht die Band ihren Gig und ruft nach einem Sanitäter, da sich anscheinend jemand verletzt hat. Sofort bildet sich eine Gasse und der Lädierte kann die Menge stehenden Fußes verlassen. An dieser Stelle noch einmal ein Lob an die Security und die Rettungskräfte, die wirklich einen guten Job machen. Aber auch die Fans geben hier gut aufeinander Acht und passen auf. So muss das sein im Pit.

Nach dieser kurzen Unterbrechung geht es auf der Bühne mit unverminderter Power weiter. Die Jungs fegen über die Bühne, wechseln schnelle mit groovigen Parts ab und bringen die Show enthusiastisch zu Ende.

Mit Deserted Fear wird der Härtegrad dann noch ein wenig nach oben geschraubt. Bei abwechslungsreichem Licht brennen die Thüringer ihr bekanntes, bretthartes Death-Metal-Feuerwerk ab. Und damit können sie beim etwa bis zur Hälfte gefüllten Zelt auf ganzer Linie punkten. Routiniert und engagiert feuern die Jungs Riffsalve über Riffsalve ab und sorgen damit für ordentlich Bewegung. „Habt ihr Bock auf Death Metal? Wir ooch“ ruft Frontmann Manuel Glatter ins Mikro.

Schon komisch. Bei so viel Tod und Verderben in den Songs von Deserted Fear wirken die Ansagen des sympathischen jungen Sängers mit seinem thüringischen Akzent schon fast etwas ulkig. Den bösen Death Metaller nimmt man der Truppe aber sowieso nicht ab. Und vielleicht ist auch gerade deswegen die Stimmung vorne im Pit so ausgelassen und spaßig. So liefert die Truppe heute einen sackstarken Gig ab, der mit „Bury Your Dead“ standesgemäß abgeschlossen wird.

Auf Steel Panther hat dann vermutlich mehr oder weniger das gesamte Festival gewartet. Zumindest ist das Zelt bis auf den letzten Platz gefüllt, und es liegt Partystimmung in der Luft. Und Party ist genau das Stichwort für Michael Starr (Gesang), Satchel, (Gitarre, Gesang), Lexxi Foxx (Bass) und Stix Zadinia (Schlagzeug).

Nach dem furiosen Start mit mächtig abrockenden Stücken wie „Eyes Of The Panther“ oder „Party Like Tomorrow Is The End Of The World” stellt sich die Truppe erst einmal ausgiebig vor. Dabei lässt sie keinen Zweifel daran, dass es heute im Grunde genommen nur um eines geht, nämlich Sex. Als größte Glam Rock Band aller Zeiten kenne man sich schließlich mit Frauen aus und habe schon mehr Pussys als Mötley Crüe gehabt.

„Poontang Bommerang“ widmet Sänger Michael Starr dann einem deutschen Mädel, welches die Band schon mindestens 100 Mal gevögelt habe und hinterher immer Herpes bekommen habe. Auch der weitere Verlauf des Konzerts ist geprägt von schlechten Sex-Witzchen und jeder Menge Kitsch. Während Gitarrist Satchel nach bester Rockstar-Manier wild über die Bühne post, zückt Bassist Lexxi Foxx bei jeder sich bietenden Gelegenheit den Lippenstift oder das Haarspray, um das Outfit auf Linie zu halten.

Vor der Bühne feiern die Fans wie nichts Gutes. Immer wieder machen sich Crowdsurfer auf den Weg nach vorne und einige Mädels zeigen freizügig ihre leicht bekleideten Oberkörper. Bei „17 Girls In A Row“ dürfen dann siebzehn glückliche Damen auf die Bühne kommen und mit der Band rocken. Zum Ende wird dann noch die Dong Open Air Version von „Community Property“ zum Besten gegeben und vom Publikum auch lautstark mitgesungen. Den Schlusspunkt setzen dann „Death To All But Metal“ und die Zugabe „Gloryhole“, die noch einmal mit klatschen, springen und singen gefeiert werden.

Und damit endet ein rasanter Auftritt mit einer engagiert aufspielenden Band, viel Show und jeder Menge Sex. So ist den meisten Zuschauern nach dem Gig auch noch ein gewisses Grinsen anzumerken. Für meinen Geschmack hätten die Jungs aber ruhig etwas weniger rumblödeln und dafür mehr Musik machen können. Aber anscheinend kommt die Show, so wie sie ist, gut an. Sex sells eben.

Doch damit ist noch nicht Schluss beim Dong Open Air. Bevor hier für dieses Jahr endgültig das Licht ausgeht, dürfen die Jungs von Gloryhammer noch ein paar Geschichten von Einhörnern und anderen mystischen Wesen erzählen und dabei auf ein galaktisches Abenteuer gehen. Und auch wenn es vielleicht nicht mehr ganz so voll ist, wie zuvor bei Steel Panther, ist die Stimmung doch bombastisch.

Schon das vor dem eigentlichen Intro gespielte „Delilah“ von Tom Jones wird von den Fans laut mitgesungen und bejubelt. Dieser Jubel steigert sich dann noch, als das Intro „Into The Terrorvortex Of Kor-Virliath“ aus den Boxen dröhnt und die Band langsam auf die Bühne kommt.

Mit „The Siege Of Dunkeld (In Hoots We Trust)”, “Gloryhammer” und “Angus McFife” haben Gloryhammer dann sofort drei absolute Knaller am Start und das Publikum auf Ihrer Seite. Ganz vorne dabei ist ein Fan, der mit Maske und einem überdimensionalen, selbst gebastelten Hammer aus Pappmaschee nach allen Regeln der Kunst abfeiert.

Aber auch die anderen Zuschauer haben richtig viel Spaß und fressen dem sympathischen Frontmann Thomas Winkler (a.k.a. Angus Mc Fife) förmlich aus der Hand. Der erkennt seine Chance und schickt erst einmal einen Fan aus Wuppertal als Crowdsurfer auf den Weg zum Bierholen. Und das nimmt dieser dann auch umgehend in Angriff.

Und natürlich ist den Jungs von Gloryhammer auch der Steel Panther-Auftritt und deren Aktion mit den Mädels auf der Bühne nicht entgangen. Anstatt das aber nun stumpf zu wiederholen, lädt sich die Band lieber ein paar schicke Kerle auf die Bühne, die einen Tanzwettbewerb machen sollen. Für die Hintergrundmusik bei selbigem wird dann auch wieder der gute Tom Jones, dieses Mal mit „It’s not unusal“, herangezogen.

Nachdem der Gewinner gekürt ist und sein Siegerbier standesgemäß geext hat, biegt die Band mit ihrem Programm dann auf die Zielgerade ein. „The Hollywood Hoodsman“ darf natürlich auf keinem Gloryhammer Gig fehlen und wird dementsprechend gefeiert. Auch bei „Hootsforce“ und „Masters Of The Galaxy“, welches lautstark mitgesungen wird, geht es ordentlich ab.

Abgeschlossen wird der fulminante und sehr kurzweilige Auftritt dann mit dem Doppelpack aus „Universe On Fire“, bei welchem sich die Fans noch einmal sehr textfest zeigen und dem unkaputtbaren „The Unicorn Invasion Of Dundee“. Und wie es sich gehört, machen sich hier auch noch einmal mächtig viele Crowdsurfer auf den Weg gen Bühne.

Insgesamt ein fantastischer Auftritt und ein gelungener Abschluss für ein tolles, gemütliches Festival.

Dong Open Air 2019 – Die Fotos vom Samstag

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Fazit:

Das Dong Open Air ist auf jeden Fall eine Reise wert. Die Location ist einfach wahnsinnig schön, und das Billing kann sich für ein Festival dieser Größenordnung mehr als sehen lassen. Sound und Licht waren in den allermeisten Fällen super und gaben keinen Grund zu meckern.

Dazu kommen die familiäre Atmosphäre und die humanen Preise für Getränke. Bei den Speisen bewegt sich das Preisniveau im Festivaldurchschnitt und bei Qualität und Vielfalt ist durchaus noch Luft nach oben. Das sind aber wirklich nur kleine Kritikpunkte.

Insgesamt ist das Dong Open Air ein gut organisiertes Festival mit einem ganz eigenen Flair. Es ist lobens- und beachtenswert, was die Veranstalter hier auf die Beine gestellt haben. Das gilt umso mehr, wenn man bedenkt, dass es sich bei den Veranstaltern um Ehrenamtliche handelt.

Im kommenden Jahr feiert das Dong Open Air dann seinen zwanzigsten Geburtstag und wird sicherlich wieder etwas ganz Besonderes werden.

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Bunt is das Dasein. Und Granatenstark. Volle Kanne Hoschi.

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