Festivalbericht OS-Feast III.I 05.09.2021, HafenSommer, Osnabrück

Es ist ungefähr der sechste Versuch von Markus Weckermann, sein OS-Feast doch noch stattfinden zu lassen, und tatsächlich sagen die Behörden endlich zu. OS-Feast III.I heißt diese Ausgabe, für die auch das Gelände des HafenSommers bereitgestellt wird. Also ein Festival im Festival. Das macht es zu einer Festivalception.

OS-FeastEs gelten dieselben Auflagen wie zuvor auch bei Asphyx am Freitag. Maske auf, wer zum Merch oder Bierstand muss oder eben jenes in den sanitären Anlagen entsorgen will. Ansonsten darf man an den Tischen machen, was man w6ill.

Eröffnet wird der Tag um 15:00 Uhr von seiner Heiligkeit Blue Pope, die mit einer Mischung aus Stoner- und Psychedelic Rock ein gutes Warm-Up liefern. Dass die Jungs bei Songs mit so kongenialen Namen wie “Stoner Song 3D” Spaß haben, sieht man vor allem ihrem Sänger an. Dessen Bühnenperformance schwankt zwischen epileptischem Anfall und Joe Cocker. In “American Hero” geht es leider nicht um Hulk Hogan, sondern um Robert De Niro und mit dem Turbonegro Cover “The Age Of Pamarius” sowie den eigenen Nummern “Animal”, bei dem mal eben das Mikrofonkabel rausgerissen wird, und “Sinner” verabschiedet sich die blaue Eminenz in den Feierabend. Habemus Weed oder so. PS: Blue Pope ist die einzige Band, die kein Merch anbietet. Sie sind eine klimaneutrale Band (O-Ton der Band selber), weshalb NOCH keine Tonträger hergestellt wurden.

Ebenfalls von Drogen inspiriert scheinen Drugstop zu sein. Anders kann ich mir nicht erklären, warum man sich als Intro den Bodycount Klassiker “Bodycount`s In The House” aussucht und dann stumpf über den Bandnamen den eigenen drüber sampelt. Ok, lustig ist es schon. Musikalisch sind sie aber eher im Hardrock der Marke Motörhead oder AC/DC auf Speed einzuordnen. “War In My Head” oder auch “Everybody`s On Drugs Today” sagt doch schon alles aus, oder?^^ Generell ist die Band schon sehr unterhaltsam, aber hinten raus wird es zumindest mir etwas zu eintönig. Ich bin aber wohl auch nicht das Zielpublikum dieser Band. Mit “Drugstop Asshole”, “War After War” und “Another Religion” geht der Drogenkurier dann über die Ziellinie.

Mit der musikalischen Einordnung der folgenden Band habe ich so ein wenig zu kämpfen. Nach dem Intro von About Monsters folgt eine interessante Soundkombination, also nachdem der Sound dann endlich funktioniert. Songs wie “Monster” ,”Escape” und “Shadow” enthalten sowohl Elemente des modernen Metals als auch Core-artige Momente. Dazu kommt der weibliche recht poppige Gesang. Einigen wir uns auf Gewaltpop-Metal mit Core-Einfluss als Genrebezeichnung für diese Band. Generell sind ihre Songs wie z.B. “Against The Enemy ” aber sehr unterhaltsam.

Wesentlich leichter fällt mir die Kategorisierung von Contradiction. Hier gibt es straighten Thrash Metal auf die Fresse. Die Eröffnungs-Trifecta besteht aus “Your God”, “The Warchitect” und “The Age Of Aquarius” (passt ja – wir sind ja am Wasser).  Die Jungs sind ebenfalls froh nach anderthalb Jahren Zwangspause wieder spielen zu dürfen, und obwohl das schon ihre vierte Show ist, kommt man um die Erkenntnis nicht drum herum, dass Headbangen und Gitarre spielen zugleich anstrengender geworden ist. Auch wenn Songs wie “In Zaire” oder “Voice Of Hatred” keinen direkten Bezug zu dieser Band haben, scheinen einige in Contradiction eine Art Slayer 2.0 zu sehen. “Break The Oath” (Nicht verwandt mit “Don´t Break The Oath” eines gewissen dänischen Königs) beendet den sehr kurzweiligen Slot.

Jetzt wird es frickelig und brutal. Profanity aus Augsburg und teilweise Österreich spielen progressiv angehauchten Tech Death Metal. Zitat Markus Weckermann: “Ihr werdet gleich mehr Töne in einem Song hören als bei den bisherigen Bands zusammen.” Tatsächlich stimmt das sogar, denn schon in “Drowned In Dusk” wird es schwer, als Headbanger einen Takt zum Mitschütteln zu finden. Immer wieder gibt es Breaks und Tempowechsel. Der Gesang wird zwischen dem Augsburger Gitarristen und seinem österreichischen Bassisten, die beide leidenschaftliche Meister proper double sind, aufgeteilt. Mit “Zombie Ritual” wird ein Death Cover gespielt, welches tatsächlich den melodischsten Song des Sets darstellt. So vertrackt allerdings auch Stücke wie “I Am Your Soul” oder “Who Leaves Stays” sind, so viel bocken sie auch live. Ob ich mir das Ganze zu Hause auflegen würde, bezweifle ich, aber auf einer Bühne? Immer wieder gerne. Mit “Catatonia” haut man dann noch zum Abschluss einen zweiten Klassiker des Death Metals raus, dieses Mal von Suffocation.

Der Tag wurde von seiner Heiligkeit, dem Blauen Papst, eröffnet, und er wird beschlossen vom motorisierten Messias himself. Motorjesus sind weder klimaneutral noch bleifrei. Zapfsäulen, Autoreifen und Benzinfässer, zwar alle nur als Pappkameraden, aber egal, zieren das Bühnenbild. Mit “Dead Army” und dem etlichen Actionfilm-Stars gewidmeten “Fist Of The Dragon” wird die Drehzahl erstmal bis in den Begrenzer getrieben. “Hellbreaker” ist der Titelsong des aktuellen Albums und bei “Motor Discipline” sehen wir einen Hellboy-artigen Schrauber auf der Bühne eine Zielflagge schwenken. Optische Spielereien gibt es also auch. Viele der Besucher haben nun ihre Sitzplätze verlassen und sich vor die Bühne begeben. Allerdings wird von den Veranstaltern genau darauf geachtet, dass auch jeder seine Maske trägt, also ist das Ganze vertretbar. Bei “The Howling” sehen wir dann einen Werwolf, der um die Band herumschlawinert. Und zum Schluss des Sets lässt sich bei “Motorjesus” eben jener namensgebende Heiland selbst auf der Bühne blicken. Mit Sonnenbrille und einem Bandana unter seiner Dornenkrone verteilt er Bier-ähnliche Getränke der Marke Paderborner an das Publikum und ext selber eine Dose dieses eher als Motoröl verwendbaren Flüssigstoffes weg.  Mit “Car Wars” und “A New War” endet dann auch der Headliner Set, und für mich geht´s ab nach Hause. Montag wieder anne Schippe stehn.

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