Nord Open Air 29.-30.07.2022, Viehofer Platz, Essen

Festival für umsonst? Ja hin da! Das Nord Open Air, welches seit jeher vom Cafe Nord am Viehofer Platz veranstaltet wird, ist endlich zurück. Aufgeteilt auf zwei Tage mit einem Tag für Punk und Core und einem Tag für Metal ist für jeden was dabei. Auch für den Pleitegeier, der hier gerade diesen Text tippt.

Nord Open Air 29.-30.07.2022, Viehofer Platz, Essen

Freitag, 29.07.22

Der Freitag ist der Hardcore- und Punk-lastige Tag auf dem Nord Open Air. Meine erste Band heute ist Born From Pain. Auch wenn Sänger Rob Franssen und Gitarrist Stefan Van Neerven mit ihren schwarzen kurzen Hosen und den weißen T-Shirts aussehen wie die Kollegen von Bademeister Schaluppke aus dem Grugabad, es sind Holländer. Anfangs verwechsle ich sie noch mit den Amis von Pro Pain und wundere mich, warum die Ansagen auf Deutsch sind. Zugegeben, ihr Hardcore klingt aber auch sehr nach der New York Schule, was das Publikum auf jeden Fall zu schätzen weiß und fröhlich im Pit vor sich hin kreiselt, z. B. zu “True Love” oder “This New Hate”.

Toxpack sind dann eher aus der Kategorie Deutschpunk, obwohl auch sie Hardcore-Einflüsse haben. Eigentlich sind sie damit gar nicht so in meinem Beuteschema, doch gebe ich den Jungs aus Berlin mal eine Chance. “Bastarde von Morgen”, “Jeder Kann Ein König Sein” (Klingt wie der Slogan einer bekannten deutschen Brauerei), “Setzt Die Segel” oder “Arschloch” sind live dann doch ganz gute Nummern und mit “Das Größte Problem Sind Wir Selbst” wird trocken und nüchtern die Wahrheit verbreitet, dass der Mensch einfach scheiße und dieser Planet ohne uns besser sei. Mit “Cultus Interruptus” wird dann noch zum Schluss eine Hymne auf die Subkulturen gespielt.

Unearth aus Massachusetts sind das Metallischte was wir heute bekommen. Frontmann Trevor Phipps bedankt sich beim Publikum dafür, dass man nun in Deutschland auch schon seit 20 Jahren auftreten kann. Das Breakdown-Feuerwerk wird unter anderem mit “This Glorious Nightmare”, “Bloodlust Of The Human Condition” oder “Sanctity Of Brothers” abgefackelt. 2023 soll sogar ein neues Album folgen.

Main event. Ich meine Headliner-Zeit am Freitag. Sick Of It All aus New York bolzen nun ihren NYHC durch die Anlage. Dazu muss man sagen, dass ihre Auftritte lange auf der Kippe standen, da Sänger Lou Koller stimmliche Probleme hatte. So wurden erst alle Clubshows gestrichen und die Festival-Gigs durften nur mit vier Tagen Pause dazwischen stattfinden. Zumindest ihren Gig im Bastard Club Osnabrück haben sie wieder aufgenommen. Dazu kommt, dass Gitarrist Pete Koller heute Abend nicht dabei ist. Er scheint gesundheitliche Probleme zu haben und wird von Craig Silverman von Agnostic Front ersetzt. Leider wird der Gig dann von einem schweren Zwischenfall überschattet. Im Pit scheint es jemanden dermaßen von den Füßen gerissen zu haben, dass dieser sofort medizinische Hilfe braucht. Die Band bricht mitten im Song ab und gibt Instruktionen an die Ersthelfer bis der Rettungsdienst sich seinen Weg durch das Infield gebahnt hat. Großen Respekt dafür. Anschließend wird der Gig dann noch nach 15 Min. Pause zu Ende gebracht.

Samstag, 30.07.22

Auf dem Weg zum Gelände des Nord Open Air – heute werde ich tatsächlich jede Band sehen – komme ich an einer Bar vorbei, deren Werbetafel -SEX on the beach- und – Wer das liest und kein Wegbier hat, hört heimlich Helene Fischer- mich irgendwie ansprechen. Keine Sorge, ich habe zu dem Zeitpunkt ein Wegbier in der Hand. Als ich das Ganze fotografiere und auf Instagram teile (samiinquisitor, falls es jemanden interessiert) bekomme ich zwei Jägermeister aufs Haus. Geil – ab zum Gelände.

Auf dem noch leeren Infield laufen gerade Rock ‘n’ Roll-Klassiker aus den 50ern, bevor zu den Klängen von Dio die erste Band Scraper auf die Bühne tritt. In ihrem Kern ist das Ganze eine Thrash Metal Band, doch ihr Frontmann würde auch gut im Death Metal klingen. Dazu haben Songs wie “Infinite Journey” oder “Apparition” einen leichten Melo-Death-Touch in den Melodiebögen, wie ich ihn z. B. auch von At The Gates kenne. Die Band verlässt die Bühne wieder zu den Klängen von Ottos “Wir Haben Grund Zum Feiern”. Darauf ein Bier – Prost.

Es ist gerade mal kurz nach eins, und die Sonne brennt (Die Frisur hält). Dennoch versetzen Sacrifire dem Auditorium einen kalten Schauer. Ihre Musik ist eindeutig vom Gothic Metal beeinflusst und ihr Sänger hat zumindest in den ersten Stücken ein Timbre, das einem Peter Steele sehr ähnelt. Die Nebelmaschine macht ebenfalls wieder Überstunden und Songs wie “My Sanctuary”, “Until We Die”, “Broken” oder “Pain Of Deception” haben nur einen Makel: Tageslicht!

Dieses Problem haben die Black Thrasher von Knife aus Marburg nicht. Heute spielen sie nicht mit ihrem etatmäßigen Schlagzeuger, reißen aber dennoch ordentlich was ein, getreu dem alten Las-Vegas-Motto “What Goes To Hell Stays In Hell”. “Black Leather Hounds”, “I Am The Priest”, “Sacrifice” und “Behold The Horse Of War” runden die Sache ab. Knifee Sache.

Dust Bolt sind eine dieser Bands, denen man nun wirklich keine Überpräsenz vorwerfen kann. Im Gegenteil, machen sich die Jungs doch echt rar. Doch wenn sie sich dann mal dazu entscheiden zu spielen, dann auch richtig. “Awake The Ride”, “Bloody Rain” und sogar ein neuer Song, dessen Namen ich leider nicht behalten konnte, werden uns kredenzt. Frontmann Mutz stellt sich sogar mitten in den Pit und lässt diesen dann um sich herum kreiseln, während er Songs wie “I`m The One” und “The Children Of Violence” durchs Mikro brüllt. Bitte mehr davon.

So, genug Thrash. Jetzt ist erstmal Zeit für Death Metal. Endseeker prügeln sich durch ihr Set. Schlicht, wie es sich für eine Death Metal Band gehört, aber mit intensiven Prüglern wie “Bloodline”, “The Harvest” oder “Supposed To Rot”. Da braucht man keine aufwendige Bühnenshow, nur einen charismatischen Frontmann und einen Pit, der ausrastet.

The Night Eternal sind ein wenig der Ruhepol des heutigen Tages. Mehr im traditionellen Heavy Metal bzw. Heavy Rock angesiedelt, sorgen sie ein wenig für die melodische Pause zwischendurch. Ihr durchaus fähiger und sympathischer Frontmann wirkt manchmal ein wenig überwältigt davon, wie sie vom Publikum aufgenommen werden, was manchmal zu etwas holprigen Ansagen führt. Aber hey, das macht ihn nur authentischer. Außerdem sieht er ein wenig aus wie der kleine Bruder von Patrick Owomoyela. Songs gab’s natürlich auch, z. B. die Bandhymne “Eternal Night”.

Ich habe es in meinem Rock Hard Review bereits erwähnt. Die beiden besten Melodic Thrash Metal Bands für mich sind Heathen und Death Angel. Letztere stehen jetzt auf der Bühne. Dabei hauen sie allerdings heute einen etwas rabiateren Set raus. Neuere Stücke wie “Lost” stehen heute nicht auf der Setlist. Das melodischte Stück heute Abend soll tatsächlich “The Dream Has Called For Blood” sein. Ansonsten wird heute mit Songs wie “Caster Of Shame” oder “The Moth” das Gaspedal festgespaxt.

`This Is True Death Metal You Bastards.´ Asphyx spielten normal immer bei den Nachbarn vom Turock und eröffnen direkt mit “Botox Implosion”, dessen Video auch rein zufällig (Zwinker-Smiley) im Turock gedreht wurde. Auch wenn Songs wie “Death The Brutal Way” oder “Deathhammer” keine visuelle Unterstützung nötig haben, heute gibt’s Pyros. Übrigens auch bei Songs wie “The Nameless Elite”, “Necroceros” oder dem Rausschmeißer “Last One On Earth”.

Paradise Lost nehmen mit ihrer Mischung aus Death- und Gothic Metal wieder den Speed raus. Vor allem auf den Gothic Songs liegt heute der Fokus. Mit “Enchantment” und “Forsaken” wird der Set eröffnet. Kennt ihr das eigentlich, wenn ihr nicht mehr wisst wie euer Lieblingssong heißt? Nee? Ich auch nicht. Aber ich kenne da eine junge Dame die fest davon überzeugt war, dass “Lost Broken World” gespielt wurde. Den Song gibt es allerdings nicht, jedenfalls nicht von Paradise Lost. Gemeint war “Beneath Broken Earth”, der aber ebenfalls nicht in der Setlist steht. Letztendlich war es dann doch “Faith Divides Us – Death Unites Us”, welcher der Song ihrer Begierde war und dieser wurde tatsächlich gespielt. Ok, jeder von uns war schon mal betrunken. Auch Stücke wie “One Second”, “As I Die” und der Abschluss in Form von “Ghosts” verbreiten gotische Stimmung. Dass nebenan eine gotisch anmutende Kathedrale steht, macht die Sache doch erst richtig rund.

Es war mir wieder ein inneres Blumenpflücken, dem Nord Open Air nach 2 Jahren wieder beiwohnen zu dürfen. Wir sehen uns dann auf dem Turock.

Nord Open Air – Bildergalerie

Bericht: Inquisitor
Fotos: Dark Angel

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