Festivalbericht – Wintermelodei 2018 08.12.2018 - Münster, Sputnikhalle / Cafe

Weihnachten, die besinnliche Zeit des Jahres. Plätzchen, Lebkuchen und Weihnachtmärkte gibt es nun an jeder Ecke. Zeit, die Gemütlichkeit mit etwas Keif- und Grunzmetal zu zerschrotten. Wintermelodei 2018 öffnet seine Pforten.

Die Sputnikhalle ist dafür der perfekte Ort. Auf dem Außengelände hat man eine kleine Händlermeile mit Merchständen der Bands sowie einen Platten- und CD-Verkaufstand errichtet, die von Feuersäulen umgeben und beheizt werden.

Als ich die Halle betrete, haben Ctulu auf der sogenannten Blizzard Stage ihren Set bereits begonnen. Ein Altar und Feuerschalen stehen auf der Bühne und die drei Musiker tragen Masken, die optisch ein wenig an Scarecrow aus „Batman Begins“ erinnern.  Es gibt keine Interaktion mit dem Publikum und genauso wenig gibt es einen Bass. Die beiden Gitarristen teilen sich den Gesang, und da einer Rechts- und der andere Linkshänder ist, entsteht zwischen den beiden Gitarren auch eine Symmetrie, die man nicht häufig bei Bands sieht. Nach 45 Minuten ist dann die Zeremonie der großen Alten auch abgeschlossen.

Masken und Kapuzen sind in diesem Jahrzehnt das, was in den Neunzigern das Corpspaint war, denn auch Au-Dessus treten mit gesichtsverschleiernden Kapuzen auf der im Sputnikcafe befindlichen zweiten (Frost)Bühne auf. Dazu gesellt sich noch ein übergroßer dreieckiger Mikroständer. Ihre Musik ist schon etwas melodischer als die der zuvor spielenden Ctulu. Manchmal scheinen sogar Chöre, die einfach nur summen, im Sound der Band erkennbar. Ob das jetzt aus der Konserve kommt oder tatsächlich von den Gitarren gespielt wird, kann ich aber leider nicht herausfinden. Fakt ist: Geiler Auftritt.

Firtan als dritte Band auf die Bretter zu schicken, überrascht mich, da ich sie höher im Billing erwartet hätte. Auch hier wird auf einen Bassisten verzichtet. Ohne Kapuzen, dafür mit zerrissenen Klamotten und blutiger Schminke sind sie etwas paganer unterwegs als der Rest der heutigen Bands. Songs wie unter anderem „Wogen Der Trauer“ werden komplett auf Deutsch vorgetragen. Einziger Knackpunkt ist das zu brave Aussehen ihres Sängers/Gitarristen, der mit seiner Kurzhaarfrisur ohne Bart und seinem sehr runden Gesicht nicht so recht zu seinem keifigen Gesang passen will.

Die Polen von Furia stehen komplett oben ohne auf der Bühne und tragen einheitliche Pandaschminke. Musikalisch sind sie auf jeden Fall der progressivste Act des Abends. Während keifender Gesang und die typischen Black Metal-Gitarrensalven auf der einen Seite stehen, hat man das Gefühl als würden Schlagzeug und der sehr dominante Bass eine Art Polka spielen. Generell scheinen diese beiden Instrumente immer wieder aus dem üblichen Korsett des Black Metals auszubrechen und scheinbar komplett andere Songs zu spielen. Hört sich verwirrend an? Klingt aber gut und sehr interessant.

In der großen Halle ist nun Headliner-Zeit, und das übernehmen die Briten von Fen. Ihre einstündige Show ist zwar gut, wirkt auf mich aber etwas unspektakulär, auch wenn man musikalisch nichts kritisieren kann.

Anschließend heißt es warten. Der Soundcheck von The Spirit zieht sich in die Länge. Das kann ja mal passieren. Weshalb man aber die Zuschauer aussperrt, weiß ich nicht. Denn als einzige Band ziehen die Deutschen einen Vorhang vor das Tor zum Sputnik Cafe, so dass niemand einen Blick auf die Bühne werfen kann. Das Ganze wird durch den unangenehm starken Käsegeruch, der aus der Pizzabude kommt, noch etwas unerträglicher. Als es dann nach einer halben Stunde Verzögerung doch endlich los geht, liefert die gefühlt meistgehypte Band des Jahres eine gute Show ab. Es ist bekannt, dass sie tatsächlich nur eine Handvoll Shows gespielt haben (Party.San war ihr 5. Gig) und trotzdem schon relativ große Auftritte bekommen. Ganz verstehen kann ich das allerdings nicht. Zwar spielen sie wirklich solide und die Songs sind auch wirklich gut. Aber besonders originell oder aufregend ist das Ganze nicht. Als Late Night Slot machen sie aber eine wirklich gute Figur.

Im Anschluss kann man sich dann noch bei der „Millenium Rock“-Party zu Songs der 2000er den Schädel zuschütten oder aufgrund des starken Stilbruches einfach nach Hause gehen. Cheers

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