Way Of Darkness 05.10. - 06.10.2018 - Stadhalle Lichtenfels

Way Of Darkness 2018

Auferstanden aus Ruinen… So oder so ähnlich. Unter dem Motto „Back From The Death“ laden die beiden PartySan-Veranstalter Jarne und Mietze zur Wiederinbetriebnahme ihres zweiten Babys ein.

Obwohl die Stadthalle Lichtenfels in der tiefsten oberfränkischen Provinz steht, haben die Veranstalter auf ihre PartySan Crew gesetzt. Das gilt sogar für die Verkaufs- und Fressbuden. So steht der kultige „Brathahn statt Satan“-Imbiss, der übrigens sogar sein eigenes T-Shirt verkauft, auch auf dem Gelände, und man wird beim Bestellen mitten in Bayern im breitesten Thüringischen Dialekt angesprochen. Das is auch mal wat.

Nach dem Essen geht`s dann auch schon zum Merch und zum Wertmarkenstand in die Halle, die äußerlich einer alten Bahnhofshalle, im Inneren eher einer landwirtschaftlichen Fahrzeughalle ähnelt. Das System ist übrigens sehr fair. Die Marken werden 1 zu 1 umgerechnet, und man bekommt sein Geld auch wieder zurück. Das sollte sich eine gewisse österreichische Veranstalterfirma vielleicht auch mal zu Herzen nehmen. Noch schnell einen Cuba Libre und los gehts.

Traitor sind ein guter Beweis dafür, warum man eigentlich jedes Festival mit einer Thrash Band eröffnen sollte. Ihr Thrash Metal ist zwar nichts spektakuläres, abgesehen davon, dass die Lead Vocals vom Drummer kommen und singende Schlagzeuger einfach arschcool sind, aber es ist eine solide Grundlage für ein Festival. Der Song „Fuck You And Die“ wird dem eigenen Bassisten gewidmet, der laut seiner eigenen Aussage einem seiner Bandkollegen mal versehentlich die Rippe gebrochen hat. Good Friendly Violent Fun eben. Zum Abschluss spielen sie dann noch mit „Blitzkrieg Bop“ von den Ramones ein Cover und starten damit den inoffiziellen „Wir-beenden-unser-Set-mit-einem-Cover“-Contest, an dem noch drei andere Bands im Verlauf des Wochenendes teilnehmen werden.

Nach einer längeren Bierpause betrete ich dann zu Revel In Flash die Halle wieder. Die Jungs zocken Death Metal, der aber vollkommen an mir vorbei geht. So gut sie technisch auch sind, bleibt einfach nichts hängen. Lediglich das etwas unnötige UFO-Cover von „Doctor Doctor“ bleibt mir im Gedächtnis.

Während ich an der Getränkebar noch für die kubanische Freiheit kämpfe, stöpseln Downfall Of Gaia ein und spielen den vielleicht intensivsten Gig des gesamten Festivals. Die Bühne ist kontinuierlich in blaues Licht getaucht, und es gibt keine Ansagen zwischen den Songs. Viel Nebel und der hypnotische Post Black Metal sorgen für eine dichte Atmosphäre. Ob der Alkohol da mit reinspielt, weiß ich nicht, aber was es auch war, es war intensiv.

Asiaten altern nicht. Das beweisen die Malaysier Humiliation. Die Band ist zwar auch erst seit 2009 aktiv, aber dennoch müssten ihre Mitglieder schon älter aussehen. Lediglich der Bartwuchs einiger Musiker zeigt, dass sie schon volljährig sind. Ihr schnörkelloser Death Metal erinnert an Asphyx oder Hail Of Bullets und läuft gut rein. Zur Abwechslung habe ich auch mal ein seriöses Bier in der Hand.

Soulburn spielten schon auf der 30th Anniversary Show von Asphyx im Vorprogramm, demnach weiß ich, was mich erwartet. Guter Death Metal mit Black-Metal-Versatzstücken. Der Set ist solide, aber unaufgeregt, was allerdings nicht heißt. dass es langweilig ist. Man spart sich nur optischen Schnickschnack und zerfickt die Bühne mit der Musik.

Die Schweizer Abrissfirma Bölzer, die bekanntermaßen ja nur aus zwei Leuten besteht, lärmt für fünf. Leider war’s das auch schon, denn nach drei Songs wird mir das Ganze dann doch zu krachig und ich gehe lieber noch draußen etwas trinken.

Während wir die Auferstehung des Way Of Darkness feiern, zelebrieren die Black Thrasher Desaster den Abschied ihres alten Drummers Tormentor alias Husky. Da er mit Sodom und Asphyx, die am zweiten Tag auch noch auftreten, nun mehr als genug ausgelastet ist. Die Band macht eine coole Figur und erst bei den letzten drei Songs verlässt Husky das Drummkit und macht Platz für seinen Nachfolger „Hont“. Sehen werden wir Husky auf diesem Festival aber noch ganze zweimal.

Dass die Provokanten Taake tatsächlich nochmal auf einem Festival von Mieze und Jarne auftreten dürfen, überrascht mich sehr, noch mehr, dass sie heute der Tagesheadliner sind. Flogen sie doch einst vom Billing des Hauptfestivals PartySan, weil sie bei ihrem Auftritt in Essen eine Hakenkreuzflagge als Backdrop verwendeten. Von dieser provokanten Art ist heute nichts zu spüren. Die Musik ist top und auch der Gesang sitzt, doch fällt auf, dass Fronter Ørjan „Ulvhedin Hoest“ Stedjeberg rotzevoll ist. Während der Songs schafft er es zwar noch, wenn auch nur minimal, die nötige Erhabenheit zu wahren. Zwischen den Stücken kann er sich kaum auf den Beinen halten. Nach dem vermeintlich letzten Song schmeißt er sein Mikro in die Menge, welches auch hörbar auf dem Boden aufschlägt, stellt dann aber fest, dass seine Mitmusiker noch ein Stück spielen. Er schnappt sich das Mikro seines Gitarristen, welches für Background Vocals gepegelt war, so dass man ihn zunächst kaum hört, bekommt dann aber von der Security sein eigentliches Arbeitsgerät zurück und steht nun mit zwei Mikrofonen auf der Bühne. Als dann wirklich Schluss ist, scheint er das auch nicht zu merken. Er steht minutenlang alleine auf der Bühne. Die „Zugabe“-Rufe des Publikums quittiert er dann in gebrochenem Deutsch mit den Worten „Völlig losgelöst von der Erde“, was auch sinnbildlich für seinen Zustand gilt.

Im Anschluss kann man sich entscheiden, ob man in eine nahe gelegene Kneipe zur Aftershowparty geht und 3,50 € für ein Astra zahlt oder sich lieber mit seinen eigenen Beständen auf dem Parkplatz/Campground die Birne zulötet.

Angesichts der vier Grad, die es nachts hatte, war es wohl nicht die blödeste Idee, sich für die Schlafhalle, die direkt neben dem Veranstaltungsort steht und eine alte Turnhalle ist, zu entscheiden. Auch wenn ein Zehn-Mann-Orchester die ganze Nacht die größten Grindcore-Hits der letzten 20 Jahre schnarcht.

Der zweite Tag beginnt für mich am Cuba-Libre-Stand, bevor es zum Frühstück eine Portion Käse gibt. Goregonzola knüppeln ihren Death Metal mit Grindcore-Versatzstücken in das noch verkaterte Auditorium. Die Bandmitglieder, die allesamt etwas übergewichtig sind, nehmen sich auch gerne selber auf die Schippe und spielen Songs wie „Konsequent Korpulent“ oder „Dick Im Geschäft“. Dick sein ist ’ne fette Sache, aber auch ernstere Töne werden angeschlagenen. Ausgerechnet die Spaß-Death-Kapelle kommt mit einem politischen Aufruf daher und mahnt, dass bei der am 14. Oktober stattfindenden bayrischen Landtagswahl jeder das Richtige wählen soll. „Die AfD ist keine Alternative“. Recht haben sie. Mit „Nazi Goreng“ und „TRUMPeltier“ positionieren sie sich weiter auf der liberalen linken Seite und auch hier schließt ein Cover den Set ab. „Bro Hym“ von Pennywise soll es sein.

Cryptic Brood aus Wolfsburg zerschmettern im Anschluss die Bühne. Der Gesang wird zwischen den drei Mitgliedern aufgeteilt, so dass auch hier ein singender Drummer am Werk ist. Der Auftritt ist recht unspektakulär aber kurzweilig.

Nach einer längeren Bierpause kehre ich zu Deathrite wieder in die Halle ein. Die Jungs ersetzen die holländischen Pornginder Cliteater, die aufgrund der anstehenden Vaterschaft ihres Gitarristen ihren Gig absagen mussten. Dann gibts eben Black ’n‘ Roll vom Feinsten. Funfact: Deathrite sind eigentlich sogar der Ersatz für den Ersatz, denn eigentlich sollten Spasm diesen Slot übernehmen, aber auch sie mussten absagen.

Flashcrawl sind eine dieser Bands, die zwar ein ordentliches Brett abliefern aber doch eher unspektakulär daherkommen. Sie beenden nun auch den Cover-Wettstreit mit einem 20 Jahre alten Death Metal Cover. Leider kenne ich weder den Song noch die Band, aber Frank Albrecht vom Deaf Forever wies mich darauf hin.

Zappen duster wird’s bei Necros Christos. Die Berliner haben mit ihrem Trilogie-Album „Domedos Exdomedos“ ihre letzte Platte aufgenommen. Nun zerlegen sie nur noch live die Umwelt. Die tiefen Gitarren von  The Evil Reverend N. und die finsteren Texte von Mors Dalos Ra tauchen die Halle in ewige Finsternis, so dass der Name des Festivals wirklich gerechtfertigt ist. Nach dieser geballten Portion Dunkelheit muss ich erstmal raus aus der Halle und die letzten Sonnenstrahlen mit einem bis vier Bier nutzen, um mich wieder zu erden.

Zum Co-Headliner Asphyx bin ich dann wieder vor der Bühne. Was die Jungs jedes Mal aufs Holz zimmern, ist einfach genial. Husky spielt übrigens seinen zweiten Gig auf diesem Festival. Zwar ist die Setlist mit vielen Standards wie „Death… The Brutal way“ und „Death Hammer“ gespickt, aber auch „Der Lanzer“ schafft es mal wieder in den Live Set. Alles in allem ein super Co-Headliner.

Husky, die dritte. Sodom bilden den Abschluss diese Festivals. Was soll man über diese Band noch schreiben. Sie sind eigentlich immer eine sichere Bank, so auch heute, obwohl ich im direkten Vergleich eher Asphyx die Krone für den besten Headliner Gig aufsetzten würde. Der Set ist gut, aber leider überraschungsarm. Lediglich „Ausgebombt“ wird heute in der deutschen Fassung gespielt, aber leider ohne Überraschungsauftritt von Bela B.

Zum Abschluss bleibt zu sagen, dass das Way of Darkness rundum gelungen war. Die Schlafsituation mit wahlweise Campingplatz oder Schlafhalle war super gelöst. Auch konnte direkt vor der Halle geparkt werden. Die Preise für Getränke und Merch waren in Ordnung und natürlich sind die fest installierten Toiletten ein großer Pluspunkt. Lediglich die Dixies auf dem Parkplatz hätten mal gelehrt werden können. Für 2019 wurde bereits der Termin bekannt gegeben: Der 4. und 5. Oktober. Es dauert also nicht wieder 7 Jahre. Welcome Back WoD.

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